Mittwoch, 22:00 Uhr – Nutze die Zeit!
Das gebuchte Hostel in der Chungking Mansion war genau so wie beschrieben und erwartet: Ein recht großer Komplex mit vielen Geschäften und Imbissen im Inneren, dazu versteckte Aufzüge zu den 16 Etagen der verschiedenen Gebäudeblöcke. Dazu in jedem Gang herumstreifende Inder, die unschuldige Ausländer in andere Hostels locken wollen oder mit dem zugegebenermaßen ehrlichen Werbespruch „Fake bag! Fake watch!“ auf gute Geschäfte hoffen. So aufdringlich sie auch sein mochten, man konnte sie relativ gut ignorieren und sobald man sich den Weg zum richtigen Aufzug eingeprägt hatte, fand sich auch das korrekte Hostel schnell.
Ein kurzer Blick auf die (kostenlose!) Stadtkarte verriet auch die unglaublich günstige Lage des Hostels: Direkt an der zentralen Metrostation Tsim Sha Tsui (Ja, Kantonesisch ist eine seltsame Sprache…) und nur einen zehnminütigen Spaziergang vom Hafen entfernt.

Letzteres machten wir uns zunutze und schlenderten am Wasser entlang mit einem klaren Blick auf Hong Kong Island auf der gegenüberliegenden Hafenseite, während wir uns noch im auf dem Festland gelegenen Stadtteil Kowloon befanden.
Direkt am Wasser befindet sich das hongkonger Äquivalent zum amerikanischen „Walk of Fame“: Die „Avenue of Stars“ – Namen und Handabdrücke ostasiatischer Filmstars im Boden. Erwartungsgemäß sagten uns die Namen überhaupt nichts, was den Spaziergang allerdings nicht weniger entspannend machte.
Ausklingen lassen konnten wir den Abend dann bei einem Bier im Irish Pub neben dem Hostel. Kurz gesagt: Der Tag endete besser als das Visumstief es hätte vermuten lassen.
Donnerstag, 16:00 Uhr – Streichle die Wolken!
In unser Doppelzimmer im Hostel passten neben einem Mini-Bad mit Duschkopf über der Toilette nicht mehr als zwei Betten und ein Kühlschrank. Doch wie wir ja wissen, ist Platz in Hongkong ein wertvolles Gut und für den gegebenen Preis war die gegebene Anzahl an Quadratmetern mehr als akzeptabel. Genau das merkt man auch, wenn man in den Straßen einen Blick gen Himmel richtet: Man muss ihn erst mal suchen. Hongkongs Stadtgebiet besitzt keine kleinen Häuser. Es ist eine einzige Ansammlung gigantischer Hochhäuser und das hat seinen Grund. Ähnlich wie auch Manhattan in den USA hat Hongkong feste Grenzen in allen Himmelsrichtungen (Norden: China. Osten, Süden, Westen: Meer.) Die einzige Richtung, in die die Stadt noch wachsen kann, ist oben.
Unser Weg am zweiten von drei Tagen in Hongkong führte uns in den Stadtteil, den wir am Vorabend bereits von Weitem bewundert hatten: Hong Kong Island. Nur eine Metrostation entfernt – und meine Güte, ist die Metro in Hongkong teuer! Wenn ich für eine Station in die nächste Tarifzone schon 8 HK$ bezahle, muss ich dann für eine Fahrt zum anderen Stadtende meine Organe verkaufen? Nie wieder werd ich mich über die 4元 beklagen, die in Shanghai für eine ähnliche Fahrt verlangt werden.
Für die Investition wurden wir dann beim Besuch der wirklich hübschen Anlage des Hong Kong Parks belohnt. Zum Glück wurden wir vor den allgegenwärtigen Mücken gewarnt (Danke, Petra!), sodass wir nur selten stehen blieben und von nichts Lebensbedrohlichem ausgesaugt wurden.

Am anderen Parkende begrüßte uns direkt die nächste Station unseres Ausflugs: Der Ticketschalter für die Tram, die uns auf eine der Hügelspitzen Hongkongs brachte. Nur 56 HK$ ärmer und sagenhafte 400 Meter über dem Meeresspiegel bot sich dann der folgende Ausblick, der die Ausgaben voll und ganz rechtfertigte:

Deutlicher lässt sich die Feststellung „Hongkong besitzt keine kleinen Häuser“ nicht in einem Foto festhalten.
Sattsehen konnte ich mich daran nicht. Leider hielt uns ein weiterer Regenschauer davon ab, durch den zugehörigen Park zu laufen, und so stiegen wir erneut in die Tram, die sich an den steilen Bergseiten langsam der Schwerkraft entgegen bewegte.
Mit der Metro erreichten wir noch schnell den ebenfalls auf der Insel liegenden Victoria Park, wobei dieser leider kein Foto rechtfertigt. So schön und grün er auch sein mag, er ist nicht zum Sightseeing angelegt worden, sondern zur Entspannung und zum Zeitvertreib für Anwohner. Also zurück nach Kowloon.
Donnerstag, 21:00 Uhr – Lichtermeer
Beste Nachricht des Tages: Ich hielt mein Touristenvisum in Händen! Mehr als 500 HK$, ein Passfoto und den Pass brauchte das Hostel nicht, um mir innerhalb von weniger als 48h das ersehnte Papier zu besorgen!
In Ermangelung besserer Alternativen führten uns unsere Füße am Abend nochmals zum Hafen. Zufällig erreichten wir das Wasser pünktlich zu einer Show namens „Symphony of Lights“. (Nochmal: Danke für den Hinweis, Petra. ^^) Die Show selbst war unglücklicherweise recht enttäuschend. Ein paar Hochhäuser am gegenüberliegenden Hafen leuchten abwechselnd in unterschiedlichen Farben, mehr oder weniger im Rhythmus zu eingespielter Orchestermusik. Nicht wirklich spektakulär – ich persönlich muss sagen, dass ich die nächtliche Skyline Hongkongs an sich da sehr viel atemberaubender fand.

So schön, dass sich sogar meine Digicam entschloss, ein paar akzeptable Nachtfotos zu schießen. Yay. ^^
Freitag, 14:30 Uhr – Herzklopfen vor der Einreise
Die Abreise aus der Stadt, deren Name übersetzt „duftender Hafen“ bedeutet, lag noch etwa fünf Stunden entfernt, welche wir mit dem Besuch des Kowloon Parks verbrachten. Dieser gefiel mir unerwarteter Weise sogar noch besser als der Hongkong Park. Vielleicht war er abwechslungsreicher? In jedem Fall enthielt er auch eine Raucherterrasse, was sich als günstig für meine Reisebegleiterin Ja. erwies. In Hongkong ist Rauchen in der Öffentlichkeit nur an ausdrücklich ausgeschriebenen Stellen gestattet – jedes andere glimmende Nikotinstäbchen wird mit einer Strafe von 5000 HK$ belohnt.

Ein paar Stunden, einen Schaufensterbummel im Nobelkaufhaus Miramar (beispielsweise mit Hosenträgern für 1000 HK$), einen weiteren Hafenspaziergang sowie einen kurzen Regenschauer später saßen wir bereits wieder im Bus und traten die Fahrt an den berüchtigten Grenzübergang an.
Freitag, 22:00 Uhr – Entspannter Herzrhythmus
Wow. Das dürfte tatsächlich mein einziges chinesisches Visumserlebnis gewesen sein, bei dem es keine Probleme gab. Kommentarlos entließ man mich auch Hongkong und auch bei der erneuten Einreise ins Reich der Mitte wurde mein Pass ohne Beanstandung abgestempelt. – DANKE!
Ganz so glücklich verlief es für viele Passagiere am Flughafen Shenzhens leider nicht. Ihr erinnert euch an die Bemerkung zur Regenzeit in Shanghai im letzten Eintrag? Diese sorgte dafür, dass mehrere Flüge abgesagt wurden und fast alle anderen Flüge mit Verspätungen leben musste. Selbst meinen Flug nach Qingdao, der pünktlich hätte starten können, konnte ich erst nach mehr als einer Stunde Wartezeit im Flugzeug antreten. Zum Glück erwartete mich in Qingdao nichts und niemand weiter als das weiche Bett meiner Wohnung.
Samstag, 0:00 Uhr – Schlussfolgerungen
- Länderwechsel: Den Wartenschlangen nach zu urteilen, ist es einfacher, aus einem Land herauszukommen, als eines zu betreten. Wie ich feststellen durfte, kann es auch genau andersherum sein und langsam lerne ich die Europäische Union zu schätzen…
- Flugzeuge: Ganz besonders in einem so riesigen Land wie China, sind Inlandsflüge ein Geschenk des Himmels. Toll, doch es gilt das gleiche wie bei Zügen: Man genießt die Reise nur, wenn das eigene Überleben nicht von der Pünktlichkeit abhängt…
- Hongkong: Eine vollkommen andere Welt als China. Eigentlich nicht zu vergleichen. Man merkt der Stadt die lange Unabhängigkeit an. Pluspunkte: Zahlreiche Parks und Museen im gesamten Stadtzentrum, Hochhäuser überall, Englisch überall – nicht nur auf Schildern, sondern auch aus den Mündern der Einwohner, dazu noch eine sehr saubere Stadt und umgeben von Wasser. Minuspunkte: Schriftzeichen sind Langzeichen und Kantonesisch klingt wie Schluckauf. Abgesehen davon: Teuer. Sehr, sehr teuer. Leben könnte ich mir dort nur mit entsprechendem Gehalt vorstellen. In diesem Falle: Klar, schickt mich hin! Alles in Allem finde ich die Stadt wirklich toll und könnte mich schnell an die Hochhäuserschluchten gewöhnen.
- Bisher schönster Gedanke bezüglich Deutschland: Bald werde ich wieder in einem Land sein, aus dem ich nicht rausgeworfen werden kann! Ein Hoch auf die Staatsbürgerschaft. Leben ohne die eisige Kralle des Visums im Nacken!

3 Kommentare bis jetzt
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Schöne Fotos. Ich hätte nicht gedacht, das Hongkong so grün ist. Die Fotos von dem Park gefallen mir sehr gut. Auch das Foto mit den Hochhäusern und dem Ring aus Bäumen. Ich würde auch gern einmal nach Hongkong reisen.
Kommentar von Reiner 19. September 2011 @ 13:34Wirklich großartig! Hong Kong ist tatsächlich sehr “hoch” :-) Ich habe meinen Urlaub dort für nächstes Jahr angesetzt, allerdings ist bisher noch nichts geplant. Die Bilder bei Nach sind im Übrigen der wahnsinn!
Kommentar von Stefan 31. Mai 2011 @ 15:15Das ist wirklich schoen zu hoeren, dass ich dir mit meiner Schwarzmalerei Hong Kong nicht vermiesen konnte ^^
Und du hast sogar groessere Haende als Jacky Chan! wer haette das gedacht ^o~
Was ich mich allerdings frage, was habt ihr nur so lange im Miramar gemacht? ^^
Kommentar von Petra 30. Juli 2010 @ 08:24