Vorbei. Es fällt mir schwer, das Ende des China-Kapitels als Anfang eines neuen Kapitels zu sehen, also schwelge ich selbstmitleidig in Gedanken an das Ende. Nein, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Aber obwohl ich gern sagen würde, dass mir die letzten beiden Wochen, in denen ich Besuch von meinen Eltern hatte, einen Eindruck vermittelt haben, wie das Leben in Deutschland wieder aussehen kann, ist das überhaupt nicht der Fall. Die Reisen durch diverse Hostels, das unter der Smogdecke kochende Beijing, das drückend schwüle Nanjing, das EXPO-fokussierte Shanghai, das derzeit bewölkte Qingdao und das „Präsentieren“ vieler Aspekte Chinas, die ich im letzten Jahr kennengelernt habe, haben mir eher vor Augen geführt, was ich hier zurücklasse: Ein großes Stück Sorgenfreiheit.
Mal abgesehen vom ständigen Visumsstress, gab es keine Probleme, die sich nicht schnell bewältigen ließen. Auch trotz der monatelangen Euro-Krise habe ich in einem sauberen, geräumigen Ein-Zimmer-Appartement in Zentrumsnähe gelebt. Ich konnte durch das Land reisen, ohne dafür innere Organe in Zahlung geben zu müssen. Mein Praktikum war die arbeitliche Umsetzung meiner Hobbys. Ich habe hier in einem Minikosmos gelebt, in dem der größte Einfluss der Weltpolitik im aktuellen Wechselkurs bestand.
Morgen werde ich insgesamt etwas weniger als 20 Stunden in drei Flugzeugen und Flughäfen verbringen. Das sollte mehr als genug Zeit sein, um mich zusammenzureißen, Optimismus zu entwickeln und mich darauf zu freuen, endlich meine Freunde und Familie wiederzusehen. Für den heutigen Abend gestehe ich mir also das Recht zu, melancholisch zu sein.
Egal ob es kindisch ist, darüber Tränen oder große Worte zu vergießen: Ich muss die hübsche Puppe zurückgeben, mit der ich für ein paar Monate spielen durfte, und den abgenutzten Teddy zurücknehmen, der mir von Studium, Sparsamkeit und Zukunftsängsten erzählt. In weniger als 12 Stunden ist es soweit. Egal ob ich will oder nicht.
Irgendwo ganz weit unten im Berg von „Was wird passieren“ und „Wie soll ich das machen“ liegt aber die Hoffnung versteckt, dass ich immer noch gern mit dem Teddy kuschle… Ach sind wir heute mal wieder metaphorisch.
2 Kommentare bis jetzt
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Ich muss Petra Recht geben. Ein Ende hat immer seine guten und auch seine schlechten Zeiten. Und ein neues Kapitel im Leben muss ja nichts schlechtes bedeuten, auch wenn dir der Anfang sicherlich schwer fällt. Aber wer weiß, was sich dir demnächst für neue Chancen eröffnen??
Kommentar von Levi 31. Oktober 2011 @ 14:28Ach Yvonne! Nun aber mal Kopf hoch!!! Das Leben in Deutschland is doch nun auch nich so schlecht, oder? Und wer weiß in was für aufregende Gegenden es dich zum Master-Studium oder zur Arbeit verschlägt?
Mittlerweile dürftest du ja auch schon wieder zu Hause sein. Ich wünsch dir eine angenehme Eingewöhnungszeit, so schlimm kanns nich sein, ne? Hier noch was zum aufmuntern:
One Republic – Marchin on
Man sieht sich.
Kommentar von Petra 12. August 2010 @ 07:44