Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Papier für die Welt
2. März 2009, 01:32
Filed under: Vorbereitungen

Eigentlich weiß ich selbst nicht, warum ich in den letzten Wochen so am Rotieren war, obwohl das alles nur genau die gleichen Prozeduren sind, die schon hunderte anderer Studenten hinter sich gebracht haben. Wahrscheinlich, weil es trotzdem noch zu viel Aufwand dafür ist, dass man sich nur in ein Flugzeug setzt, um ein paar hundert tausend Kilometer Vorlesungen an einer Uni zu besuchen. … In China.

Weil es an allen chinesischen Hochschulen Studiengebühren gibt, die chinesische Regierung aber trotzdem Studenten aus aller Welt ins Land holen möchte, gibt es das Chinese Scholarship Council (CSC), das jährlich Stipendien vergibt, welche ausländischen Studenten die Studiengebühren für bestimmte Hochschulen erlassen. ∞ Lange Rede, kurzer Sinn, jeder bewirbt sich (allein) beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), welcher die Papiere ins Land der Mitte weiterreicht. Klingt einfach, kostet aber jährlich wahrscheinlich hunderten von Bäumen das Leben.

Das hier sind jetzt jedenfalls die guten Stücke.

DAAD-Papiere

Von links nach rechts.

Das Bewerbungsformular.

Sozusagen der Kern des Übels. Man beachte das hellgrüne Amtspapier, was ja unbedingt gefordert war und ohne dass es den Behörden unmöglich ist, auch nur irgendein Stipendium zu genehmigen. Fast so toll wie die Tatsache, dass die vier Bögen im Internet nur als PDF-Datei anständig auszudrucken waren und man deshalb auch alles per Hand eintragen darf. Mir fällt jetzt noch so gut wie die Hand ab, wenn ich ans Ausfüllen zurückdenke…

Das Motivationsschreiben.

Auch Statement of Purpose genannt. Schwachsinn. Wenn mich jemand fragt, warum ich nach China fliege, dann halte ich ihm meinen Studienplan vor die Augen, in dem für das fünfte und sechste Semester groß Auslandssemester steht. Oder kurz: Weil ich muss. Stattdessen folgt aber dieses hübsche Blatt Papier. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, wir wollen grundsätzlich ja schon nach China. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand bei diesem Wisch nicht schleimt und säuselt.

Zwei Empfehlungsschreiben.

Am Anfang fand ich es noch scheinheilig, dass unsere beiden Professoren jedem das gleiche Schreiben gegeben haben, sogar mit der Bitte, wir sollen noch mal nachschauen, dass bei jedem auch passend Mr. oder Ms. steht. Aber selbst der DAAD, über den das Programm läuft, bietet Vordrucke für Empfehlungsschreiben an, in die nur noch die Namen eingetragen werden müssen. Also auch wieder nur ne Formsache. Sind wir eben alle conscientious and diligent students.

Das Abizeugnis.

Auf Englisch und selbst übersetzt. Muss ich mir sorgen machen, weil ich jetzt die rechnerische Punktezusammensetzung meiner Abinote besser verstehe als damals? Egal, verrechnet hat sich keiner. Einerseits hätte ich auf diesem Blatt alles eintragen können, weil die Englischprofessorin, die die korrekte Übersetzung mit ihrer Unterschrift garantiert hat, nicht einmal eine beglaubigte Kopie zur Überprüfung haben wollte. Andererseits zeigt das aber nur, dass unser Abi in China keinen interessiert.

Die Scheinauflistung.

Eine Auflistung aller belegten Kurse der ersten drei Semester samt – falls schon vorhanden – erreichter Note. Das Spannendste hieran war eigentlich nur die Übertragung der Kursnamen ins Englische. Wenn man sich das so durchliest, sieht es wirklich so aus als könnten wir schon irgendwas. Aber der Schein trügt.

Und schließlich noch…

Die Einverständniserklärung für den DAAD…

… in der steht, ob sie unsere Adresse weitergeben dürfen oder nicht. Wäre ja schön einfach, wenn in der verfügbaren PDF-Datei nicht vom Studienaufenthalt 2006/2007 die Rede wäre. Die (korrekte) HTML-Datei sieht ausgedruckt potthässlich aus und so hab ich den Text eben kopiert und selbst formatiert. Am Ende ist es wahrscheinlich sowieso wie mit allen anderen Formularen: Es interessiert alles nur oberflächlich.