Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Große Weisheiten nach einem Monat in China
29. September 2009, 07:10
Filed under: China-Impressionen

Ein weiteres kleines Zwischenfazit, diesmal nach einem Monat im Reich der Mitte. Als kleines Vorwort sollte ich sagen, dass es hier in Nanjing trotz alledem nicht wirklich sehr viel anders ist als in Berlin und Co. Man lebt nicht wirklich anders und der Alltag ist genauso langweilig wie in Deutschland. ^^

„Wahrer Luxus zeigt sich nicht im Vorhandensein einer Toilette, sondern im Vorhandensein von Toilettenpapier.“

Oder auch im Vorhandensein einer westlichen (!) Toilette mit Toilettenpapier, denn meist findet man einfach nur eine verflieste Kloschüssel im Boden vor – man könnte es auch unschön als „Loch“ bezeichnen. Gut, bei manchen Toiletten ist man doch ganz froh, dass man sich nur hinhocken und keinen Hautkontakt mit ihnen haben muss, aber für Rückenschwache dürfte das trotzdem nichts sein. Außerdem warte ich praktisch nur darauf, dass ich irgendwann mal versehentlich dort hineintrete…

Ob nun westlich oder chinesisch: Nur wenn man Glück hat, befindet sich wenigstens neben dem Waschbecken eine Rolle Toilettenpapier, von der man ein paar Blätter mit hineinnehmen kann. Sonst muss man standardmäßig auf das Repertoire der eigenen Handtasche zurückgreifen. Und ich muss dazusagen: Die chinesischen Taschentücher sind hauchdünn.

„Chinesen sprechen immer genauso gut Englisch wie du Chinesisch sprichst.“

Voller Stolz fühlt man sich dazu in der Lage, einen Chinesen auf der Straße anzusprechen und nach dem Weg zu fragen. Leider will der Chinese dann freundlich sein und es einem mit „Left“, „Right“ und „This way“ leichter machen, seine Wegbeschreibung zu verstehen.

Sobald man kompliziertere Dinge ausdrücken will, scheitert die Fremdsprachgewandtheit leider oft auf beiden Seiten und man muss auf Hände und Füße als Kommunikationsinstrument ausweichen. *g* Aber egal worum es im Gespräch nun eigentlich geht: Nach kurzer Zeit kommt bereits die Stelle, an der man nur noch freundlich lächelt und sagt: Ting bu dong. ^^ (听不懂, wörtlich „Kann nicht verstehen.“)

„Der chinesische Straßenverkehr ist interessant.“

Bitte ersetze in obigem Satz „interessant“ durch eine beliebige Phrase rangierend von „lebensgefährlich“ bis „total behindert“. Aber okay, ich versuche, es positiv zu interpretieren:

Die Leute sind extrem vorsichtig und nehmen große Rücksicht aufeinander. Anders kann sich mein kleines mitteleuropäisches Gehirn nicht erklären, warum bei den querlaufenden Fußgängern, querfahrenden Fahrrädern, hupenden Autos, ständig die Spur wechselnden Taxis, plötzlich stehen bleibenden und ebenfalls häufig die Spur wechselnden Bussen und völlig irrationalen Vorfahrtssituationen (die meist durch Hupen entschieden werden) nicht ständig der gesamte Asphalt von Blut überschwemmt wird. Von daher: Ja, die Leute nehmen extrem Rücksicht aufeinander. Ja, ich muss mir das einfach jeden Morgen ganz fest einreden, wenn ich aufs Fahrrad steige…

„Du isst nicht falsch, du bist nur zu faul und zu geizig zum Kochen.“

Woher kommt es, dass ich in Deutschland nie darauf geachtet hab, was ich in mich hineinstopfe, aber in China plötzlich das Gefühl hab, mich abwechslungsreicher ernähren zu müssen? Gut, Nudelsuppe in Variation 389X zum dritten Mal in einer Woche ist sicher nicht die beste Wahl und mit den restlichen Mahlzeiten (Baozi, Äpfel,…) kann man auch keinen Blumentopf gewinnen. Aber gerade in den Restaurants, in die wir abends vielleicht zweimal pro Woche gehen, essen wir immer andere Sachen… Ich schiebe dieses seltsame Gefühl also einfach mal pauschal auf den ungewohnten Umstand, nie selbst in der Küche zu stehen und sich ein Brot zu schmieren.

„Wozu brauchst du Sehenswürdigkeiten, wenn du Xinjiekou hast? … Ach so, du bist ein Mann.“

Leider bin ich kein Fashion Victim und kaufe mir lieber DVDs als Kleidung, aber wenn ich eins wäre, wäre ich hier richtig. 新街口 (Xinjiekou) ist mehr als nur eine U-Bahnstation in Nanjing, es ist vielmehr die lokale Shopping-Pilgerstätte im Stadtzentrum, die sowohl ober- als auch unterirdisch viele kleine und große Einkaufszentren, Einkaufsstraßen, Fressmeilen und überhaupt alles beherbergt, was man brauchen könnte, wenn man gerade nichts zum Anziehen Langeweile hat. Vorausgesetzt man ist weiblich und hat Kleidergröße S bis M, sonst muss man sich leider auf Schmuck, Schuhe und Taschen beschränken. Dies trifft insbesondere auf den gesonderten Bereich „Fashion Lady“ zu, ein unterirdisches zweistöckiges Einkaufszentrum mit niedrigen, verschlungenen Gassen, in denen jedes „Exit“-Schild nur zum nächsten Schuhladen oder zum Nagelstudio führt.

„Wenn dich alles verlässt, hast du immer noch Howdy.“

Ladenschluss? Sind wir hier in China oder was? Selbst wenn Restaurants irgendwann zwischen 20 und 22 Uhr schließen (Oder an einem Tag gar nicht geöffnet haben, welcher Tag das auch immer sein mag.), gibt es immer noch Howdy (好的), eine Kette kleiner 24-Stunden-Supermärkte, die es hier ohne Übertreibung in jeder Straße gibt. Vergleichbar sind sie am ehesten mit 7Eleven, man findet dort von Getränken über Brot, Joghurt, Rasierklingen, Fertignudeln, Regenschirme, Handtücher, Chips und Wattepads das meiste, was man „mal eben noch brauchen könnte“.

„Tee ist kein Kaffeeersatz, egal was die Chemie sagt.“

Egal ob Tee nun genauso wach macht wie Koffein, es ist und bleibt einfach nicht das selbe. Den Unterschied merkt man spätestens bei einem Blick auf die Preise. Während man Tee im Restaurant meist umsonst serviert bekommt, kostet ein Becher Kaffee in der Hochschulcaféteria ganze 10元, wovon ich andererorts eine ganze Mahlzeit bekommen würde. Starbucks und Co. sind wie auch in Deutschland maßlos überteuert, was mich irgendwie wundert, da viele Chinesen das koffeinhaltige Heißgetränk aufgrund des bitteren Geschmacks gar nicht zu schätzen wissen.

„Du bist ein Laowai und das ist gut so!“

Und zum Abschluss lässt sich sagen: Wenn ich in diesem Monat überhaupt irgendwas verinnerlicht hab, dann die Tatsache, dass ich zwar keine Chinesin bin, aber das wahrscheinlich ganz gut ist.

Dass auf der Straße irgendjemand „Laowai“ sagt, ist normal. (老外 lässt sich wörtlich als „alter Fremder“ übersetzen und ist die allgemeine, leicht abwertende Bezeichnung für weiße Ausländer. Ist nicht zwingendermaßen böse gemeint.) Dafür dürfen wir dreister sein, in Einkaufszentren und Spielhallen Fotos machen, uns seltsam verhalten, kein Chinesisch sprechen, komisch aussehen, dumm rumstehen, mehr Geld haben und so weiter. Yay! ^^

Wie immer würde ich mich natürlich über Kommentare freuen. ^^

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Purple Mountain, Charlie! Purple Mooouuntain!
22. September 2009, 15:12
Filed under: Sightseeing und Reisen, Studium und Praktikum

(Wer den Titel nicht kapiert, kennt „Charlie the Unicorn“ nicht. Aber das ist euer Verlust, nicht meiner. ^__^)

Am Samstag hieß es wieder: Sightseeing! Nachdem wir zu einer phänomenal frühen Uhrzeit (9 Uhr morgens…) das Haus verlassen haben, fuhren wir mit dem Bus zu einer der Hauptattraktionen Nanjings, die ich ja im Titel dieses Blogeintrags schon so fantastisch angekündigt habe: Zum Purple Mountain, deutsch Purpurberg, chinesisch Zhongshan (中山).

Dabei handelt es sich jedoch genau genommen nicht um eine einzige Sehenswürdigkeit, sondern eben um einen bewaldeten Berg am östlichen Rand Nanjings, auf dem sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten befinden. Zum Studentenpreis von 64元 erhielten wir Zutritt zum „Linggu Scenic Spot“ und „Sun Yatsen Scenic Spot“. Bei letzterem Begann die Tour.

Kurze Geschichtsstunde für alle, die nicht wissen, wer Sun Yatsen war: 1911 fand in China eine Revolution statt, in der die letzte Kaiserdynastie gestürzt und damit die 2000 Jahre anhaltende Kaiserherrschaft beendet wurde. Einer der Hauptinitiatoren der Revolution, Gründer der KMT (Kuomintang, eine Partei Chinas, heute nur noch auf Taiwan vertreten), Mitbegründer des „neuen Chinas“ und erster provisorischer Präsident war Dr. Sun Yatsen, der auch heute noch sehr verehrt wird.

Exakt das Mausoleum dieses jenen Mannes wollten wir also besichtigen, was uns und allen anderen Besuchern aber doch recht schwer gemacht wurde. Um zum Mausoleum zu gelangen, muss man nach oben. Und ohne Lift oder Teleportation gibt es da nur eine Möglichkeit: Stufen steigen… viele Stufen…

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Wir unterbrechen unser Programm für eine wichtige Sondermeldung

Nachdem ich vor einer Woche lang und breit meine Teilnahme an einem der B-Kurse mitgeteilt hab, folgt hier verspätet und mit demütig gesenktem Kopf die Korrektur: Ich hab noch mal die Klasse gewechselt und bin jetzt in einem C-Kurs.

Grundlegender Gedanke: Für das Auslandsstudiensemester erhalten wir 30 ECTS-Punkte, 22 davon für unsere Chinesischkurse. Die Note, die wir dafür bekommen, wird eine entsprechend hohe Gewichtung haben. Oder kurz und schmerzlos ausgedrückt: Die Note ist einfach zu wichtig. Und deshalb sitze ich jetzt in einem einfacheren Kurs, dessen Grammatik ich größtenteils schon kenne, in dem ich aber trotzdem noch neue Vokabeln lernen kann. Und zur Not hab ich immer noch die Bücher als dem höheren Kurs. Basta.

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Ja, wo war ich? Immer noch auf dem Purpurberg, beim Sun Yatsen Mausoleum! Und zwar nicht irgendwo, sondern ganz oben. Nach gefühlten 30.000 Stufen wurden wir von einer weiten Aussicht bis zur Skyline von Nanjing begrüßt. Ich sollte erwähnen, dass das Wetter auf unserer Seite war und neben angenehmer Wärme auch strahlend blauer Himmel für den idealen Tag sorgten. Im ebenfalls blau bedachten Mausoleum konnte man eine große Statue Sun Yatsens sowie seinen Sarg (?) begutachten, der Aufstieg hat jedenfalls länger gedauert als die Besichtigung des Ziels.

Kurze Mittagspause und weiter ging’s zum „Linggu Scenic Spot“. In den Parkanlagen kurvten wir mit kleinen motorisierten Mini-Rollern herum, die man für 20元 pro Stunde ausleihen konnte. Die unmittelbare Folge war, dass wir von den Chinesen noch dümmer angeschaut wurden als sowieso schon, aber das war dann auch nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein.

In der Linggu Pagode – neben dem Linggu Tempel, das Herz des Gebiets – wartete das, was ich an diesem Tag ja noch überhaupt nicht gesehen hatte: Stufen! 250 Inkarnationen meiner schlimmsten Alpträume – und – ich – bin – sie – hochgegangen. Bis ganz oben zum achten Stock der Pagode und die Aussicht über das wahrhaftige Baum-Meer hat voll und ganz für alles entschädigt, was sich an Frust in meinem unsportlichen Körper angestaut hatte! Ich bin jetzt noch froh, nicht bei Etage fünf Schluss gemacht zu haben.

Im übrigen Gelände statteten wir der Beamless Hall (in der mit Wachsfiguren die chinesische Geschichte von 1840 bis 1925 umrissen wurde), einer großen Steinschildkröte (deren Bedeutung bisher noch völlig unbekannt ist, wobei ganz schlau vermutet wird, dass sie was mit dem Linggu Tempel zu tun hat…), einer Imbissbude (Geflügelfleisch ohne Knochen, hui!), der Sun Yatsen Memorial Hall (eine Art kleines Museum mit Eckdaten seines Lebens, seiner Lehren, Fotos,…), dem Guilin Stone House (irgendein abgebrannter Trümmerhaufen, wtf?), dem Sutra-Tempel (ein ganzer Tempel nur mit Steinstafeln mit Texten an den Wänden) und gefühlten 50 Kilometer Waldweg von A nach B einen Besuch ab. Wobei die „Waldwege“ hier alle gepflastert sind, man also wenig Gefahr läuft, sich tatsächlich zu verlaufen. Hinterhältig waren die verschlungenen Dinger trotzdem. Und weil wir uns ja immer noch auf einem Berg befanden, kamen aller paar Meter… STUFEN! Ja, danke, ich hätte fast vergessen, wie sie aussehen…

Und wir haben trotzdem noch nicht alles gesehen, was man auf dem Purple Mountain alles besichtigen kann.

Alles in Allem: So kann’s weitergehen! Aber ich mag unseren Fahrstuhl im Haus… Und zum Schluss gibt’s noch ein Foto von Ki., Ka., mir und unseren lustigen Rollern im Linggu-Park.



Schlafen, Essen, Lernen – Hallo Alltag
16. September 2009, 10:46
Filed under: Studium und Praktikum

Hach, schon wieder Mittwoch, in zwei Tagen ist Wochenende und in drei Monaten bin ich schon wieder mit dem Studium in China fertig, was auf gut Deutsch heißt: Der Alltag hat Einzug gehalten, es leben die geregelten, langweiligen Tagesabläufe! ^^ Anstatt jetzt aber meinen normalen Unitag vom morgendlichen Hintern-Kratzen bis zum abendlichen Gähnen zu beschreiben, beschränke ich mich lieber auf das Wesentliche…

In den B-Klassen, in die ich mich bekanntlich eingeordnet habe, haben wir vier verschiedene Chinesisch-Kurse, von denen einer je 100 Minuten plus eine zehnminütige Pause umfasst. Unterrichtet wird ausschließlich auf Chinesisch, nur in Ausnahmefällen wird mal ein Wort auf Englisch gesagt, wenn es sich gar nicht anders umschreiben lässt.

  • 4x Yuedu (阅读, Lesen)
  • 4x Kouyu (口语, Sprechen)
  • 2x Tingli (听力, Hörverständnis)
  • 1x Baokan Yuedu (报刊阅读, Zeitungslektüre)

Außerdem brauchen wir noch zwei (englischsprachige) Zusatzkurse zu je 1x 100 Minuten, aus stundenplantechnischen Gründen kann ich (leider) nur die ersten beiden wählen:

  • Chinese Foreign Policy
  • Chinese Economic and Business Development
  • The Environmental Health of the Upper Yangtze
  • Chinese History
  • Chinese Culture

Von 8 bis 12 Uhr sind wir im Klassenraum gefangen, nach einer zweistündigen Mittagspause (Zu lang für mich, aber wir haben ja genug Hausaufgaben. Was für ein Glück. *Ironie*) geht es bis 15:50 bzw. 18 Uhr weiter.

Das Beste an der ganzen Geschichte ist und bleibt nichtsdestoweniger, dass die Prüfungen Mitte Dezember stattfinden und wir vor Weihnachten mit allem fertig sind. Yay! ^^ Dass sich das auch auf den wöchentlichen Workload auswirkt, sollte jedem klar sein, der weiß, dass an anderen Unis die Prüfungen Ende Januar stattfinden, aber hey – lieber überfordert als gelangweilt! (Vielen Dank für dieses Motto. ^^)

Irgendwann hatte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn ja Bilder vom Campus versprochen, vernünftigerweise hätte ich diese Aussage auf meinen täglichen „Schulweg“ beschränken müssen, was ich hiermit tue.



Das Eingangstor zum Hauptcampus der Nanjing Daxue. Von unserer Wohnung bis dort laufe schleiche ich mehr oder weniger 15 Minuten. Vorher muss man noch einen Park durchqueren, auf dem sich die Mensa, mehrere Wohnheime, eine Bank, ein kleiner Supermarkt und sicher auch noch viele andere Sachen befinden. Vor allem aber Chinesen.



Die „Hauptstraße“ im Campusgelände. Von dort aus führen in alle möglichen Richtungen kleinere Straßen zu den einzelnen Gebäuden, mit denen wir Auslandsstudenten allerdings allesamt nichts zu tun haben.



Mitten im Gelände befindet sich diese kleine Grünanlage mit vielen Bänken und schmalen Wegen. Ist aber nicht wirklich ein „chinesischer Garten“, sondern sieht eher recht verwildert aus. Aber ich will ja nicht meckern, denn auch damit hab ich eigentlich nichts zu tun.





(Panorama von rechts nach links genossen?)
ICH darf dann nämlich diesen Weg hier hochgehen, um aus dem Campusgelände heraus (!) und nach etwa 200 Metern dann noch mal rechts in folgende Straße zu gehen.



Nach einer weiteren Querstraße links stehe ich dann endlich vorm für mich relevanten Gebäude.



Das ZengXianZi Lou. Direkt daneben befindet übrigens das Ausländerwohnheim. Ja, außerhalb des Campus. Das Mensa- und Caféteriapersonal spricht Englisch. Man kann sich des Eindrucks also nicht erwehren, dass die NanDa um jeden Preis vermeiden möchte, dass die ausländischen Studenten mit China, Chinesen, der chinesischen Sprache oder der chinesischen Kultur in Berührung kommen.

Ach ja, das Wichtigste hab ich ja noch gar nicht verkündet: Seit Montag bin ich im Besitz eines Fahrrads! Eine kleine Investition von 30 Euro ermöglicht es mir also nun hoffentlich bis zum Ende des Studiums, meinen täglichen Weg von 2x 30 Minuten auf 2x 15 Minuten zu verkürzen. ^^ Es sei denn, ich darf meine sterblichen Überreste irgendwann einmal zwischen Zhujiang Road und Guangzhou Road vom Alphalt aufkratzen lassen – der Straßenverkehr kennt keine Skrupel. Aber ich demnächst auch nicht mehr.



Parks und Party – nein, bitte nur ersteres
13. September 2009, 11:05
Filed under: Sightseeing und Reisen

Dieses hübsche Bild entstand, neben vielen anderen, gestern im Wulong-Park, einem der kleinsten Parks in Nanjing. Objektiv betrachtet, ist er wirklich winzig, da man in etwa 30-40 Minuten bequem um den zentralen See schlendern, das Grün genießen, Fotos schießen und dabei auch Rast an einem der Pavillons machen kann – und nicht einmal Google spuckt bei der Suche nach diesem Park mehr als zwei Sätze aus. (Welche dann eben lauten, dass es sich um einen winzigen Park an der Guangzhou Lu in Nanjing handelt – ja, vielen Dank für diese Info.)

Frei nach dem Motto „Wenn du nicht gegoogelt werden kannst, existierst du nicht“ hatten wir ursprünglich auch nicht vor, dorthin zu gehen. Aber wer würde bei milden Temperaturen und seichtem Wind einen Park ignorieren, der nach dem Aussteigen aus dem Bus ganz plötzlich vor einem liegt – noch dazu ohne Eintritt zahlen zu müssen?


Unser ursprüngliches Ziel, den Mochou-See, haben wir dann doch nicht mehr erreicht – sprich: wir haben ihn nicht gefunden – und nach einem kleinen Mittagessen ging es mit dem Taxi wieder nach Hause, denn selbst mein nur rudimentär vorhandener Orientierungssinn sagte mir, dass es bis zur Wohnung ein ganzes Stück zu laufen gewesen wäre. Trotzdem war ich zufrieden mit dem Ausflug, da das kleine Fleckchen Grün vieles geboten hat, was man so unter „typisch chinesischen Parks“ versteht. Übrigens auch, dass sie mitten in der Stadt liegen und von Betonbauten umgeben sind. Für Chinesen scheint das allerdings kein störender Kontrast zu sein.

Der heutige Sonntag war erschreckend unspektakulär: Schlafen, essen, lernen, noch ein bisschen lernen, nachher wohl wieder essen und schlafen.

Ach ja, den Clubbesuch gestern Abend hatte ich schon fast wieder verdrängt. „Scarlet“ heißt das gute Stück, in das Ka., Ki. und O. unbedingt (wieder) wollten. Warum bin ich überhaupt mitgegangen? Schon in Deutschland kann ich mit diesem unnatürlichen Rumgehopse, das sich Tanzen nennt, nichts anfangen, und unter gefühlten 2,0 Promille erst recht keinen Spaß daran finden. (Ich scheine da chinesisch veranlagt zu sein, denn die Partys sehen wohl immer so aus: Die Chinesen sitzen herum und die Ausländer tanzen. Okay.) Zu meinem Glück war ich gestern/heute damit nicht allein und lag 3:30 Uhr im Bett – mit dem Gedanken daran, dass ich das auch 0:30 Uhr ohne ohrenbetäubende Musik und gähnende Langeweile hätte haben können. Learn for life.



Das war eine Woche…
11. September 2009, 12:08
Filed under: Babys erste Schritte, Studium und Praktikum

… daraus könntest du zwei machen. Und dabei waren es eigentlich nur vier Tage, was beweist, dass ich Adrenalin einfach nicht (mehr) gewohnt bin.

Machen wir es kurz, der Einstufungstest am Dienstagabend war eine Katastrophe mit Sahne und Kirsche obendrauf. Neben einem selbst zu schreibenden Text zum Thema „Mein Chinesischstudium“, der nur 10% der Gesamtwertung ausmachte und in den ich jede Grammatik eingebaut habe, die mir in den Sinn gekommen ist, bestanden die restlichen 90% des Tests aus Lückentexten. Für jede Lücke gab es vier Antwortmöglichkeiten.

Ganz ehrlich: Ich hätte die Kreuze auch mit geschlossenen Augen setzen können, denn ich habe nichts verstanden, keinen einzigen Satz. Und wenn ich einen Satz mal zu vielleicht 30% verstanden habe, konnte ich mit den Antworten nichts anfangen. Schlussfolgerung: Totalversagen. Mein Gesicht:

Mittwochnachmittag. Wir schauen uns an, in welche Kurse wir eingeordnet wurden. Es gibt insgesamt vier Stufen, von denen A die höchste und D die niedrigste ist. Innerhalb der Stufen gibt es noch mal zwei bis drei verschiedene Klassen, die sich aber nur gering voneinander unterscheiden. Hm, ja. Ich wurde in A eingeordnet. Meine Gedanken:

Eine andere Studentin meinte zu mir, ich sollte Lotto spielen.

Natürlich war von Anfang an klar, dass daraus nichts werden konnte. Auf Empfehlung des Hochschulmitarbeiters bei der Einführungsveranstaltung habe ich mich dann Donnerstagmorgen doch erst mal in den A-Kurs gesetzt, um so dazusitzen:

Das Ende vom Lied ist, dass ich gestern in vier verschiedenen Klassen gesessen habe, um am Ende tatsächlich die zu finden, die meiner Meinung nach richtig gut passt. Effektiv wären sowohl ein hoher C- als auch ein niedriger B-Kurs denkbar, heute habe ich mich entschieden und mich offiziell in B eintragen lassen.

Ist natürlich schwerer und ich habe mehr Vokabeldefizite, aber ich kann mich richtig reinknien und mache es mir damit weder zu einfach noch zu schwer. Also heißt es jetzt: 加油!(„Jiayou!“ ist ein Ruf zum Anfeuern und Mutmachen. ^^) Drückt mir die Daumen.

P.S.: Nächste Woche gibt’s dann Bilder vom Campus und ich schreib ein bisschen über den Unterricht. Jetzt ist erst mal Wochenende!



Eingeschrieben!
7. September 2009, 11:14
Filed under: Babys erste Schritte, Studium und Praktikum

Endlich geht es los, endlich haben wir wieder ein festes Ziel vor Augen, endlich ist der Tag gekommen, an dem wir uns an der Nanjing Daxue (南京大学, Nanjing University, kurz: NanDa) einschreiben konnten! Und bürokratisch betrachtet, könnte es für uns wirklich nicht einfacher sein.

Wir mussten nicht einmal unser Gesundheitszeugnis vorzeigen, demnach müssen wir es auch nicht vom örtlichen Quarantänebüro bestätigen und keine zusätzlichen Bluttests machen lassen. Anscheinend bleibt uns auch ein weiterer Besuch beim Gonganju erspart. Unser F-Visum bis 23. Februar reicht für das Studium aus, unseren Wohnsitz haben wir hier auch gemeldet, die Uni hat den rosafarbenen Wisch mit dem roten Stempel gesehen, fertig. Hoffe ich. Also dass es so glatt läuft, hat mich überrascht. Ich rechne immer noch mit einem Schlag ins Gesicht, aber vielleicht ist das nur Paranoia. ^^

Hier noch kurz und schmerzlos meine Eckpunkte der nächsten Tage:

  • Montag: Einschreibung *abgehakt*
  • Dienstag: Einstufungstest *aufgeregt rumrenn*
  • Mittwoch: Ergebnisse des Einstufungstests, Studentenausweis und Stundenplan abholen, allgemeine Infos *noch mehr rumrenn*
  • Donnerstag: Unterrichtsbeginn *umfall*


Sehenswürdigkeit sein / anschauen
6. September 2009, 11:37
Filed under: China-Impressionen, Sightseeing und Reisen

Bis auf die Tatsache, dass ich mir ein Kissen gekauft habe und wir am Freitagabend nach zwei fürchterlich langweiligen Tagen (Studenten an der Nanjing Normal University hatten Termine, O. und ich saßen zu Hause) wenigstens zu viert beim Karaoke waren (Zum Glück hab ich meine eigene Stimme kaum gehört…), ist nicht mehr viel passiert, deshalb haben die eigentlichen „Ereignisse“ erst am Samstag wieder eingesetzt.

Am Vormittag habe ich M. und Ch. wiedergesehen, die beide ihr erstes Chinasemester in Gastfamilien verbringen und damit bisher wahrscheinlich mehr von der chinesischen Kultur mitbekommen haben als wir. Nachmittags waren wir dann in einer chinesischen Starbucks-Kopie namens „ecoffee“, weil der richtige Starbucks gegenüber voll war. War lecker, aber teuer und man konnte die Getränke nicht in verschiedenen Größen bestellen.

Okay, genug mit unnötigen Details gelangweilt: Wir haben eine Flussrundfahrt gemacht! Bei Nacht in einem kleinen Boot 30 Minuten lang über den beleuchteten Qinhuai-Fluss schippern – wunderschön! Für 60元 haben wir zwar die billigere Fahrt bekommen, konnten uns aber wirklich nicht beklagen. Meine Nachtfotos sind leider nicht so toll geworden, das hier sind schon die beiden besten.

Die eigentlich erwähnenswerten Dinge haben sich aber genau genommen außerhalb der Flussrundfahrt abgespielt. In der Nähe des Flusses und des Konfuziustempels befindet sich eine Art… Fressmeile, könnte man sagen. Ein kleiner abgeschlossener Bereich mit vielen Tischen und einer sehr schmalen Gasse, auf deren einer Seite kleine Stände mit Imbissen sind. (Neben Hammelfleischspießen und Baozi gab’s auch Reiskuchen, Tintenfisch am Spieß und Entenköpfe. ^^) Wie dem auch sei:

Chinesenkontakt #1
O. – zierlich, blass, kurzes blondes Haar – knabbert grad an ihrem Geflügelspieß, als sie plötzlich drei oder vier Chinesen ansprechen und ein Foto mit ihr machen wollen. Das ging dann die Runde herum, bis jeder Touri auch wirklich einmal mit ihr auf einem Bild verewigt war.

Zufall? Denkste.

Chinesenkontakt #2
Vor der Flussrundfahrt standen O. und ich etwas verloren auf einem Platz herum. Wie aus dem Nichts kommt auf einmal wieder eine chinesische Touri-Gruppe, drückt O. ein Baby in die Hand, bittet sie anscheinend, still zu halten, und macht Fotos davon. Das Kleine hat geschrieen wie am Spieß und mir persönlich echt Leid getan, die Chinesen haben gelacht, sich bedankt und sind samt Baby und geschossenen Fotos wieder abmarschiert.

Ja, so viel zum Thema „Touristenattraktionen“, was?

Heute Morgen habe ich mich allein in die Spur begeben und bin mit der Metro zur Stadtmauer gefahren. Gut erhaltene Teile der ehemaligen, über 33km langen Stadtmauer von Nanjing gibt es in der ganzen Stadt, ich bin zum angeblich berühmtesten Tor davon gefahren: Zum Zhonghuamen (中华门, „men“ heißt einfach „Tür“ oder hier eben „Tor“), das direkt an einem Flussarm liegt und zu dem auch noch eine Festung gehört, die Zhonghuamen Chengbao (城堡). Der Sonnenschein war ideal, in der Festungsanlage konnte man noch Informationstafeln lesen und Souvenirs kaufen und die 25元 Eintritt haben sich voll und ganz gelohnt. Ach ja, da war ja noch was…

Chinesenkontakt #3
Ich musste ziemlich langsam laufen, weil die gestern neu gekauften Schuhe ein Geschenk des Teufels gewesen sein mussten und nach 1km Laufen nicht mehr als ein Schleichen ermöglichten. Dazu kommt, dass ich seit letzter Woche noch zwei riesige Blasen an beiden Füßen mit mir herumtrage. (Um niemanden mit meinen Krankheitsgeschichten zu langweilen: Die Dinger sind gigantisch, ich sollte ihnen Namen geben, glaubt es mir einfach.) Das blieb auch nicht unbemerkt von meinen Mitmenschen: Während ich die Treppe von der Festung herunterschlich, überholte mich ein chinesisches Ehepaar. Der Mann schaute auf meine Füße, lachte laut los, zeigte mit dem Finger drauf und rief seine Frau zurück, damit sie sich das doch auch anschauen konnte. (……..) Muss ich dazu jetzt eigentlich noch mehr schreiben? Na ja, ich konnte ihnen zu verstehen geben, dass die Schuhe neu sind und es meinen Füßen nicht gut geht, seine Frau hat sich noch mit mir fotografieren lassen und nach ein bisschen Smalltalk durfte ich gehen.

Zu Mittag war ich zu Hause. Da war übrigens die ganze Wohnung voller Chinesen, weil eine Klimaanlage ausgetauscht werden musste. Neben der Vermieterin und dem Wohnungsbesitzer waren noch drei oder vier Monteure/Elektriker/Handwerker da – ja, an einem Sonntag. Na ja, ich hab den ganzen Nachmittag geschlafen, jetzt ist es 18 Uhr und langsam fange ich auch an, meine Füße wieder zu spüren.