Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Ich kuschle trotzdem noch mit Hunden
22. Oktober 2009, 17:15
Filed under: Home Sweet Home, Sightseeing und Reisen

Ja, das auf dem Bild ist Hundefleisch. Es sieht ganz normal aus, könnte auch Rind oder Schwein sein, und auch weder Geschmack noch Konsistenz sind „besonders“. Daraus lassen sich für mich zwei Dinge ableiten: Erstens werde ich nie wieder Hund bestellen, weil es für mich keinen Unterschied zu Fleisch von Tieren macht, mit denen ich nicht gern kuschle. Zweitens würde ich aber wohl auch nicht erkennen, wenn mir jemand einfach Hund vorsitzen würde. Tja.

Ach ja, weil die Frage ins Auge springt: Nein, Hundefleisch ist hier nichts Alltägliches. Das Restaurant hat im Fenster extra damit geworben, dass es dort Hundefleisch gibt. Außerdem sehe ich hier täglich viele Leute mit ihren Hunden gassigehen und die Fellbälle an der Leine sind sicher nicht das Mittagessen, sondern normale Haustiere. ^^

Die nächste kulinarische Absonderlichkeit steht allerdings auch schon auf dem Plan, denn Ka. hat einen Stand in der Hunan Road (eine Einkaufsstraße, neben Xinjiekou der Shoppingbereich Nanjings) einen Stand gefunden, an dem es aufgespießte Käfer, Spinnen etc. gibt. Selbst Ch. (Vegetarier) will’s ausprobieren und ich kann doch unmöglich nach Deutschland zurückkommen und sagen, dass ich in China keine Käfer gegessen hab, ne? ^^

Am Sonntag stand wieder eine Sehenswürdigkeit auf dem Plan, diesmal der Präsidentenpalast, den wir von unserer Wohnung aus nach 15 Minuten bequem zu Fuß erreicht haben. Ist schon vorteilhaft, fast im Zentrum zu wohnen, hehe. Für 40元 Eintritt kann man also den Gebäudekomplex besuchen, in dem in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die chinesischen Staatsoberhäupter gelebt, ihre Gäste empfangen und wichtige politische Entscheidungen getroffen haben. (Zur Erinnerung: Nanjing war mal die chinesische Hauptstadt.) Heute sind die Gebäude eher ein Museum, eine Anti-Drogen-Ausstellung haben wir dort auch entdeckt sowie eine Ausstellung über den Opiumkrieg. Der hatte mit den Präsidenten ab 1911 zwar gar nichts mehr zu tun, bot aber Anlass für einen vielsagenden Schriftzug, der auf Deutsch so viel heißt wie: „Vergesst nicht die vergangene Demütigung des Vaterlands.“ Ich belass es einfach mal bei dieser Aussage.

Heute (Donnerstag) funktionierte mal wieder den halben Tag das Internet nicht – ich fühl mich wie zu Hause… Jetzt ist es fast Mitternacht und ich tippe noch diese Zeilen. Warum? Weil wir übers Wochenende nicht hier sind, sondern in der südlichen Nachbarprovinz Anhui. Und dort gehen wir auch nicht zu Tempeln und Parks so wie üblich, sondern wir gehen (hier bitte Trommelwirbel einfügen) wandern! Der Huang Shan (黄山) ist eines der berühmtesten Gebirge Chinas und sowohl für in- als auch ausländische Touristen eines der Top-Reiseziele.

Alles, was mehr als 100 Meter in die Höhe reicht, ist für Chinesen zwar angeblich auch per Seilbahn zu „erwandern“, aber wir sind ja Laowai und werden laufen. Wenn ich nicht mehr weiter will, könnte ich mich ja einfach hinsetzen, losheulen und meckern, dass ich nicht mehr kann, aber das hat schon früher nie funktioniert und wenn es in Deutschland mit Mama und Papa nicht klappt, klappt es wahrscheinlich auch nicht in China…

Wir werden also wahrscheinlich 7 Uhr morgens in einem Reisebus sitzen und fünf Stunden später in der Provinz Anhui ankommen. Keine Ahnung, wie es dann weitergeht, denn die Planung haben Kommilitonen unserer Nanjing-Normal-University-Studenten übernommen. Na ja, wird schon. ^^ Ihr dürft übrigens alle mal raten, was uns Hin- und Rückfahrt sowie zwei Übernachtungen kosten. Die Auflösung folgt sofort: Umgerechnet 27,50 Euro. Neidisch?



Von Putzlappen und Babypopos
17. Oktober 2009, 11:41
Filed under: China-Impressionen, Studium und Praktikum

Ich hab gehört, in Deutschland liegt Schnee? Das erinnert mich daran, dass ich hier auch noch Wintersachen kaufen muss. Dafür war es heute noch mal angenehm warm. ^^ Hier jetzt eine kleine Zusammenfassung der letzten Woche.

Am Freitag vor einer Woche hatten O. und ich an der NanDa keinen Unterricht, sondern durften/mussten als Gäste zur feierlichen Eröffnung des neuen NanDa-Campus’ gehen, der mit dem Bus etwa 30 Minuten vom Zentrum entfernt ist. Das fanden wir so lang okay, bis allen ausländischen Studenten noch vor der Abfahrt je ein T-Shirt in die Hand gedrückt wurde, das man wirklich nur mit geschlossenen Augen als schön befinden kann. Und warum musste auf diesem hellblauen Putzlappen in gelber Schrift „Nanjing University“ aufgedruckt sein? Zum Glück musste die Dinger jeder tragen. Kleine China-Flaggen bekamen wir auch noch. Hilfe…

Als wir in die Turnhalle kamen, in der die Veranstaltung stattfand, wurde das ganze Ausmaß klar: Jeder Zuschauerblock trug eine andere (grelle) T-Shirt-Farbe… Neben Hellblau waren noch mindestens Orange, Gelb und Weiß vertreten, sonst war der ganze Raum in Rot geschmückt. (Was würden die Chinesen eigentlich machen, wenn die politische Farbe nicht zufällig auch die chinesische Glücksfarbe wäre?)

Ob die Veranstaltung gut war, weiß ich nicht, weil ich in den anderthalb Stunden zwischen „Jetzt beginnen wir.“ und „Auf Wiedersehen.“ ungelogen kein einziges Wort verstanden habe. Keine Ahnung, was passiert ist. Viele wichtig aussehende Anzugmänner werden von Hostessen auf die Bühne begleitet, nehmen Preise entgegen und auf der Videoleinwand im Hintergrund sehen wir zwischen Bildern vom Campusbau immer mal die chinesische Flagge. Ach ja, die Nationalhymne wurde auch zweimal gesungen, glaube ich.

Ja, was ist noch so passiert? Jeden Dienstagnachmittag gehe ich jetzt zum einstündigen Tai-Chi-Kurs an der Nanjing Normal University. ^^ Ist kostenlos und wir werden von einem echten Meister unterrichtet, der Taijiquan (太极拳) schon 20 Jahre praktiziert. Das ist echt mal ein Sport, mit dem ich mich anfreunden kann!

Durch Tai Chi, Chinesischkurse und englischsprachige Zusatzkurse habe ich somit Montag bis Donnerstag jeden Nachmittag was zu tun und bin erst nach 5 zu Hause. Langeweile kommt da zum Glück nicht auf. Besonders für das Treffen mit einem chinesischen Sprachpartner ist das aber ziemlich ungünstig, weil eben nur Freitag und das Wochenende bleibt. Hab per Internet trotzdem jemanden gefunden und hoffe, dass ich dadurch noch ein paar Vokabeln gewinnen und das freie Sprechen üben kann. ^^ In der WG sprechen wir ja logischerweise nur Deutsch.

Einer der eben erwähnten englischsprachigen Kurse ist „Chinese Culture“. In jeder Stunde wird ein spezifischer Bereich Chinas behandelt, z.B. sind wir erst im Schnelldurchlauf alle Dynastien durchgegangen mit den jeweiligen Errungenschaften, diese Woche ging es um Wissenschaft und Technologie, wobei der gute Junge den Unterricht mit dem Satz begann, dass er selbst keine Ahnung davon hat. XD Nächstes Mal erzählt er uns was zu chinesischer Literatur, irgendwann kommt noch ein Kurs zu Philosophie etc.

Glücklicherweise spricht er sehr gut Englisch, sodass man ihm sehr gut folgen kann und die Veranstaltung interessant ist. Sonst wäre die Motivation, überhaupt hinzugehen, so gering wie sie wohl sein kann, wenn man schon nach der ersten Veranstaltung gesagt bekommt, dass man zwar eine Seminararbeit schreiben muss, er aber noch nie etwas Schlechteres als eine 2+ gegeben hat. ^^ Die letzten 30 Minuten sind dann definitiv die interessantesten, denn man darf jede Frage zu China stellen, die einem auf den Lippen liegt. Politisch, kulturell,… Gefällt mir echt sehr gut, so was von einem Chinesen beantwortet zu bekommen.

Eine sehr interessante Frage war: „Warum tragen Kinder hier keine Windeln?“
Berechtigte Frage. Ich habe es noch nicht wirklich hier erwähnt, aber Kinder ab schätzungsweise 2 Jahren aufwärts, die durchaus schon normale Hosen etc. tragen können, aber die Sache mit dem Töpfchen noch nicht gelernt haben, tragen hier keine Windeln. Stattdessen haben die Hosen hinten einen recht breiten Schlitz. Der ist nicht etwa provisorisch reingeschnitten, nein, die Hosen werden so hergestellt und sollen offen sein.

Ursprünglicher Sinn der Schlitze ist es, den Eltern das schnelle Wechseln der Windeln zu ermöglichen. Nun, Windeln sind teuer, weshalb Wegwerfwindeln, wenn überhaupt, nur im ersten Jahr benutzt werden können. Aber selbst Stoffwindeln finden bei den erwähnten Kindern nicht wirklich Verwendung, da man die auswaschen müsste. Und irgendwo müsste man den Duftbeutel dann ja unterwegs auch verstauen. Okay, genug um den heißen Brei herumgeredet: Man sieht hier ständig nackte Babyärsche. Ganz zu schweigen von diversen Anekdoten, wenn die Kleinen dann wirklich mal müssen, denn der Schlitz im Schritt macht nicht nur das Runterziehen der Hose, sondern anscheinend auch das Aufsuchens eines adäquaten stillen Örtchens obsolet… *würg*
Auf die Frage „Woher wissen die Eltern, wenn’s kommt?“ konnte uns unser Lehrer allerdings keine Antwort geben.

P.S.: Morgen schauen wir uns vielleicht eine weitere Sehenswürdigkeit in Nanjing an und heute Abend wollen wir in ein Restaurant gehen, in dem es Hund gibt. Ich freu mich. ^^



Golden Week 2009 – Drei Tage Henan
11. Oktober 2009, 09:46
Filed under: China-Impressionen, Sightseeing und Reisen

Ja, besser spät als nie, oder? … Oder?

Freitagabend und Samstagmorgen – Anreise

Den richtigen Warteraum am Bahnhof von Nanjing zu finden, war kein Problem. Ich kam mir ein bisschen so vor wie am Flughafen. Handgepäck wird gescannt, man geht durch Metalldetektoren (die zwar piepen, aber es interessiert keinen XD), man schaut auf riesige Anzeigetafeln, um die eigene Zugnummer und den richtigen Warteraum zu finden, man setzt sich in den Warteraum, in dem sich etwa 10 verschiedene Gates zu unterschiedlichen Zügen befinden, man wartet bis das eigene Gate geöffnet wird, die Tickets werden kontrolliert, man folgt den Menschenmassen zum Bahnsteig und sucht am über 200 Meter langen Zug die richtige Wagennummer. ^^ Alles sehr einfach.

Wie letztens geschrieben, hatten wir drei Sitz- und drei Schlafplätze gekauft, die wir in der Nacht tauschen wollten. Laut Zugpersonal war das aber nicht möglich, aber aus irgendwelchen Gründen waren noch viele Schlafwagen übrig, sodass wir problemlos drei dazukaufen konnten. Erst wird an den Ticketschaltern so ein Stress gemacht und dann das – egal, jeder von uns hatte bis zur Ankunft 6:30 Uhr ein gar nicht mal so hartes Bett. ^^

Nun waren wir also früh morgens in Zhengzhou (郑州), der Provinzhauptstadt von Henan (河南) Schon nach drei Schritten auf offener Straße war klar: Das hier ist ganz sicher nicht wie Nanjing. Diese Leute haben in ihrem Leben Laowai sicher nur sehr selten aus der Nähe gesehen. Nicht nur, dass wir angestarrt wurden, wir wurden auch angesprochen, zugetextet und ständig hat irgendjemand gelacht. Und das, obwohl kaum jemand unterwegs war. Auch Antworten auf Chinesisch hat nichts gebracht. Ich greife an dieser Stelle mal vor: Am Sonntagabend wollten C., Ka. und ich uns noch was Essbares kaufen und sind in einer Seitenstraße neben dem Hotel auf ein paar Stände, die Essen zubereitet haben, gestoßen. Wir standen keine fünf Minuten da, schon hatte sich der halbe Straßenzug um uns versammelt. Eltern, Großeltern und die Enkel auf den Armen standen um uns herum, haben uns beobachtet, gelächelt und getuschelt. Egal, wie oft ich mir gesagt hab, dass es doch alles nicht schlimm ist: Es war wirklich nicht schön.

Na ja, zurück zu Samstagmorgen. ^^ In einer sicheren Ecke konnten wir die frisch gekaufte Karte von Zhengzhou ausbreiten und irgendwie wurde beschlossen, dass wir in 30 bis 45 Minuten auch zum Hotel laufen könnten. Fürs Protokoll: Ich war dagegen, aber so ist das eben mit der Demokratie. Endlich am „Yuelai Hotel“ angekommen, wuchs die Angst, eventuell kein Hotelzimmer zu haben, da wir nach der Reservierung im Internet zwar eine Mail, aber keine wirkliche Buchungsbestätigung bekommen hatten. Kurz und schmerzlos, die Angst war umsonst, wir hatten vier Zimmer für zwei Übernachtungen inklusive Frühstück für 15€ pro Nacht und die (Doppel-)Zimmer waren wirklich gut. Bequeme Betten, sauberes Bad, Handtücher, Fernseher, Klimaanlage, Wasserkocher, Tee, passt. ^^

In meiner unbestritten maßlosen Genialität habe ich natürlich das Aufladegerät für die Digitalkamera mitgenommen, aber die Kamera zu Hause vergessen. Somit sind alle Fotos hier (mal wieder) in C.s Händen entstanden. (Dankeschön. ^^)

Auf der anderen Seite gab es aber auch Leute, die ihre Kamera zwar mitgenommen hatten, dann aber trotzdem ohne dastanden: Die Kamera von Ki.s Freundin wurde geklaut. Eigentlich war sie in einer mit Reißverschluss verschlossenen Kameratasche und mit einem Bändchen am Gürtel befestigt. Aber was hindert professionelle Taschendiebe daran, unbemerkt den Reißverschluss zu öffnen, die Kamera rauszunehmen, das Bändchen durchzuschneiden und abzuhauen, ne? Schweinepriester. Damit ging der Samstagsausflug ja gut los…

Samstag – Shaolin-Kloster (少林寺)

Nach zwei Stunden abenteuerlicher Busfahrt in die Berge kamen wir an. Eigentlich gibt es gar nicht so viel dazu zu sagen. Die Anlage ist sehr weitläufig, aller 200 Meter kommt mal wieder ein Tempel. Allerdings waren die beiden Shaolin-Shows, die wir uns angesehen haben, erwartungsgemäß spektakulär: Kung-Fu-Einlagen, Metallstange am Kopf zerschlagen, mit dem Hals an Speeren abstützen und überleben – was man durch die Medien eben so von Shaolin-Mönchen „kennt“. *g*

Dieses Bild ist ein sehr kleiner Ausschnitt des sogenannten Pagodenwalds. Unglaublich viele dieser Steinpagoden befinden sich auf engstem Raum zusammen – tolle Atmosphäre, toll anzusehen.

Am Ende des Tags warteten wir noch über 30 Minuten auf einen Bus, der in 10 Minuten hätte kommen sollen. Kein schönes Gefühl, im Dunkeln mitten in den chinesischen Bergen zu stehen, aber da mit uns auch noch einige Chinesen warteten, beruhigte uns das schon irgendwie.

Zurück in Zhengzhou waren wir dann (das erste Mal in China!) in einem Hotpot-Restaurant. Ein großer Topf mit Wasser und Gewürzen wird in der Mitte des Tisches erhitzt, man bestellt die rohen Zutaten und kocht sich das Essen dann praktisch selbst. Sehr lustig und vor allem echt lecker. ^^ Natürlich waren wir als Laowai auch dortdrin DIE Sensation schlechthin. Schon als wir uns dem Eingang näherten, sprang uns eine Angestellte ganz aufgeregt entgegen. Am Tisch haben wir ein Foto mit der Restaurantleiterin gemacht, später auch noch mit dem Besitzer, der uns außerdem Mondkuchen geschenkt hat. Da fühlt man sich schon wie ein echter Promi…

Sonntag – Longmen-Grotten (龙门石窟)

Hotel — Taxi à Busbahnhof à 2h Bus nach Luoyang 洛阳 — Taxi zum Longmen-Tempel — Durchfragen, wo es zu den Grotten geht — die falsche Straße langlaufen — von einer Omi, die eigentlich nur vor einem Tempel Billigsouvenirs verkauft, gesagt bekommen, dass man falsch läuft — in den Anhänger des Mopeds der Oma steigen, um sich von ihr für 5元 zu den Grotten kutschieren zu lassen.

Nein, bitte fragt nicht. ^^* Genießt einfach die Bilder, denn jeder der 120元 Eintritt hat sich gelohnt!

Kurz vor Ende des Rundgangs fing es leider stark zu regnen und zu hageln an. Da hilft selbst ein Regenschirm nicht mehr so wirklich viel und wir konnten gerade so nassen Fußes noch ein Taxi finden, um zum Busbahnhof in Luoyang zurückzukommen. Glücklicherweise fiel der entstandene Schnupfen dank heißer Dusche und grünem Tee noch glimpflich aus. ^^

Montag – Abreise

Nach einem warmen Frühstück haben wir auch schon ausgecheckt und haben uns die Zeit bis zur Zugabfahrt um 14:40 Uhr noch vertrieben, indem wir durch einen kleinen Vergnügungspark für Kinder in Zhengzhou gegangen sind und die Leute beobachtet haben. Also alles recht entspannt. Alles in Allem bin ich sehr froh, dass wir am letzten Tag nicht noch einen Ausflug unternommen haben, denn die beiden vorherigen Touren haben gezeigt, dass allein die Anreise sehr lang dauert und man nie wissen kann, wie lang man wirklich von A nach B braucht – erst recht, wenn man nicht genau weiß, wo welche Sehenswürdigkeit ist. (Ja, keine erstaunliche Erkenntnis, ich weiß.)

Der Schnellzug zurück nach Hause kam nach vier Stunden an und es war wirklich angenehm, durch die Straßen zu gehen, ohne angestarrt oder angesprochen zu werden. XD Ist überhaupt jemandem aufgefallen, dass ich „Nanjing“ bzw. unsere Wohnung in Nanjing als „zu Hause“ bezeichne? ^^ Bin unglaublich froh, dass mir das so leicht über die Lippen/Tastatur geht.



Auf in die Golden Week!
2. Oktober 2009, 04:05
Filed under: Sightseeing und Reisen

So hat das zu sein! Drei Wochen Uni und dann schon wieder eine Woche Ferien, das gefällt mir. Und genau so hat der Oktober in China begonnen, mit Ferien.

Auf die armen Studenten in Taiwan (*wink* ^^) trifft das leider nicht zu, denn am 01. Oktober wird in (Festland)China die Gründung der Volksrepublik gefeiert. Deshalb war gestern auch ein offizieller Feiertag, was die meisten Läden aber nicht davon abhält, geöffnet zu haben. Würde wahrscheinlich auch keiner einsehen, wenn alles plötzlich geschlossen wäre.

Ich habe im Grunde bis Mittag geschlafen und am Abend waren Ka., C., O. und ich beim Xuanwu-See (großer See in Nanjing, 5 km Umfang), um uns mit ein paar hundert Chinesen ein Feuerwerk anzuschauen. Aber ganz ehrlich: Unter „Chinesischem Feuerwerk“ hab ich mir was anderes vorgestellt. Bei einem China-Feuerwerk erwarte ich stereotyp, dass ich total beeindruckt werde, der ganze Himmel bunt ist und ich nicht weiß, wo ich zuerst hinschauen soll. Das Geballere gestern war eher vergleichbar mit Silvesterfeiern in diversen deutschen Großstädten, nicht mal die Farben haben besonders zusammengepasst. Wird die Volksrepublik jeden Tag 60 oder warum war das so plump? Ich setze meine Hoffnungen ins Frühlingsfest.

Aber der Nationalfeiertag ist nicht der einzige Grund für die einwöchigen Ferien, denn in diesen Zeitraum fällt auch das chinesische Mittherbstfest (中秋节 Zhongqiujie), auch bekannt als Mondfest. Der Legende nach soll ein wunderschönes chinesisches Mädchen vom Unsterblichkeitskraut ihres Ehemanns gegessen haben, was dieser für seine Heldentaten von einer Göttin bekommen hatte, woraufhin sie zum Mond schwebte. Was daran so feierlich ist, weiß ich nicht, aber hey, dank der diebischen Schönheit können wir heute verreisen!

Übrigens so wie wahrscheinlich halb China, denn in den Feiertagen wird traditionell die Familie besucht und neben dem Frühlingsfest ist dies natürlich die Hauptreisezeit. Das haben wir auch vergangene Woche gemerkt, als wir uns Zugfahrkarten kaufen wollten. Zugtickets dürfen frühestens 10 Tage im Voraus verkauft werden, so sah man letzte Woche täglich lange Schlangen vor den Reisebüros und Ticket-Verkaufsstellen.

Wir haben uns eingereiht und was soll ich sagen? O. hat es ganz gut getroffen, als sie es mit „Bananen-Ansteh-Feeling in der DDR“ verglichen hat und den Vergleich kann ich nachvollziehen. Wir standen dort über eine Stunde, bis wir endlich am Schalter angelangt waren. Wir brauchten sechs Karten, weil Ki.s Freundin zu Besuch gekommen ist, woraufhin uns die Dame im Büro sagte, sie könne uns nur noch einen Nachtzug geben, die Karten dürfe sie aber noch nicht verkaufen, weshalb wir in zwei Stunden noch mal wiederkommen sollten. … Denkt euch euren Teil zu unserer Laune. Eine anderthalbe Stunde später standen wir also noch mal 45 Minuten lang an, um einen zwölfstündigen Nachtzug mit drei (…) Schlafwagen (Softsleeper) und drei Sitzplätzen (Hardseat) zu erhalten. Die einzigen Karten, die zu diesem Zeitpunkt dort noch erhältlich waren.

Jedenfalls geht es heute Abend mit der Bimmelbahn nach Zhengzhou, der Provinzhauptstadt von Henan. Henan liegt auf der Karte von Jiangsu (der Provinz, in der Nanjing liegt) aus „links oben“, ist auch eine Nachbarprovinz und mit einem der schnelleren Züge (D-Trains) braucht man vier Stunden. Für die Rückfahrt am 05.10. haben wir zum Glück einen solchen bekommen.

Somit haben wir etwas weniger als drei Tage in Henan, der Provinz, in der sich auch das Shaolin-Kloster befindet. Ja, DAS Shaolin-Kloster, und wir werden es besuchen. ^^

Bilder und Reiseberichte gibt es, wenn wir wieder da sind. Bis dahin freue ich mich natürlich nach wie vor über Kommentare, gerne auch zum letzten Blogeintrag.