Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Kirschsaison vorbei
27. Juni 2010, 06:42
Filed under: China-Impressionen, Sightseeing und Reisen

Nein, ehrlich. Es gibt kaum noch essbare Kirschen. Verdammt.

Wenn der Spruch „Wer schön sein will, muss leiden“ zutrifft, dann der Spruch „Wer schön sein will, muss zahlen“ noch viel mehr. Das konnten Chr. und ich gestern feststellen, als wir uns zum Fast-Ausklang des Chinajahres eine Gesichtsbehandlung in einer chinesischen Schönheitssalon-Kette gegönnt haben.

Im Laufe dieser Stunde wurden mir erst mal so viele Cremchen und Lotiönchen auf die Haut gepinselt, dass ich mir am Abend das Gesicht dreimal waschen musste und am Ende immer noch aussah, als sei ich in eine Wanne Bratfett gefallen. Ansonsten handelte es sich natürlich um das übliche Verkaufsgeschwafel: Am Anfang bei der Hautanalyse wird überschwänglich gelobt, was für tolle Haut man doch hätte, während der Behandlung bekommt man Sätze wie „Der ist aber groß“ und „Das sind aber viele“ ins wehrlose Gesicht geworfen und beim Bezahlen wird mit ernstem Gesicht erklärt, dass hier, dort, da, und vor allem hier drüben noch sooo viele Sachen seien und dass der einzige Weg, dieser dramatischen Einschränkung unserer Lebensqualität ein Ende zu setzen, fünf weitere Behandlungen seien, von denen eine je fast dreimal so viel kostet wie die, die man gerade hinter sich gebracht hat.

Ich gebe ja gern zu, dass jede Hautunreinheit vergrößert am Computerbildschirm wie ein lebensbedrohlicher Tumor aussieht, aber es gibt Dinge in meinem Leben, für die ich lieber mein Geld den Abfluss hinunterspüle. (Computer, Strom, Wasser, Essen,… In dieser Reihenfolge.)

Nun, widmen wir uns kurz antichronologisch den letzten Wochen. Ich hatte Besuch aus Shanghai, der in Form von dickem Nebel nicht gerade das Beste Wetter erwischt hat für die Besichtigung einer Stadt, deren Sehenswürdigkeiten zu 90 Prozent von außen zu besichtigen sind. Wir wählten die nächstbeste Alternative und schauten im Brauerei-Museum vorbei. (Tsingtao-Bier ist die berühmteste chinesische Biermarke. Und von wem haben sie es? – Von den Deutschen.)

Das Museum selbst ist allerdings typisch chinesisch, das heißt: Bilder an den Wänden. Tatsächlich greifbare historische Gegenstände gab es wenig, diese beschränkten sich auf Fässer und einige Brau-Kessel. Für den symbolischen Haken auf der „Dinge, die man in Qingdao gesehen haben muss“-Liste und die beiden Gratisgläser Bier lohnten sich die 50元 Eintritt aber wenigstens ein wenig.

Den letzten Tag des Besuchs haben wir fast ausschließlich am Strand verbracht, der zwar neblig und grau war, aber dennoch zahlreich von Chinesen bevölkert, die sich erneut nicht entblödeten, sich drei Meter von uns entfernt mit der Kamera hinzustellen und gaaanz unauffällig Fotos zu machen.

Zwei Wochen davor haben wir (Chr. und ich) auch der „Polar Ocean World“ in Qingdao einen Besuch abgestattet. Ich sage es mal so: Es gab dort Eisbären. Robben. Seelöwen. Haie. Delphine. Delphine! Und wovon machen die Chinesen Fotos? – Von den beiden Ausländern.

Zum Abschluss noch ein Foto aus dem Biermuseum: Eine historische Werbung, die ich… amüsant finde. Auf… mehreren Ebenen. Ja. ^^



Kirschsaison
4. Juni 2010, 11:41
Filed under: Home Sweet Home, Studium und Praktikum

Na? Habt ihr alle fleißig die neue deutsche Nationalhymne gelernt? „Satellite“ von Lena Meyer-Landrut? ^^ Ich lasse dieses Statement einfach mal so stehen.

In den Monaten seit meiner Ankunft in Qingdao wurden an jedem Fruchtwagen an jeder Ecke nur Ananas verkauft, seit einigen Tagen karrt plötzlich jeder Kirschen umher. Mir soll’s recht sein. Die armen Dinger, die mehr Kern als Fruchtfleisch enthalten, rechtfertigen die horrenden Preise zwar nur geringfügig, aber für ein kleines bisschen Abwechslung ist mir meine Magengegend sicher dankbar.

In meinem Kühlschrank ist immer noch Jiaozi- und Schokoeis-Saison, und Nudelsuppensaison ist sowieso das ganze Jahr. Dass ich noch nicht genug von chinesischem Essen habe, liegt höchstwahrscheinlich daran, dass ich nicht von „gutmeinenden“ Chinesen zwangsernährt werde, sondern mir tatsächlich jedes Mal aussuchen kann, ob ich geschmacklich erkunden will, was die zusammengerührten Speisen vor mir enthalten, wenn es optisch nur schwer definierbar ist.

Schon faszinierend, wie man belanglose Sätze über Essen zusammentippen kann, oder? Das liegt im Wesentlichen daran, dass meine tägliche Nahrungsaufnahme das einzige ist, was derzeit einen Tag vom anderen für mich unterscheidet. Mit „Arbeitsalltag“ sind meine 24 Stunden sonst gerade am besten beschrieben. Dafür steht allerdings das Enddatum mittlerweile fest: Der 2. Juli wird mein letzter Praktikumstag und momentan steht der fristgemäßen Erledigung aller Projekte nichts im Wege.

Und danach heißt es bis zum Semesterbeginn Anfang Oktober: Freiheit! Schlafen, rumsitzen, rumreisen, auf Ankunft der Eltern warten, Visumskram erledigen (bläh), noch ein bisschen schlafen, mit Eltern in China rumfahren, weiter nach Hause.

Auch der Termin für die Heimreise steht inzwischen fest: Am 11. August werde ich mich im Flugzeug befinden. Jedenfalls hoffe ich stark, dass es dabei bleibt, sonst zwingen mich die Umbuchungskosten der Lufthansa dazu, das ein oder andere Organ zu verkaufen.

Das war’s auch schon wieder. Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal.