Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Vorabendliche Melancholie
10. August 2010, 13:19
Filed under: Babys erste Schritte, China-Impressionen, Home Sweet Home

Vorbei. Es fällt mir schwer, das Ende des China-Kapitels als Anfang eines neuen Kapitels zu sehen, also schwelge ich selbstmitleidig in Gedanken an das Ende. Nein, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Aber obwohl ich gern sagen würde, dass mir die letzten beiden Wochen, in denen ich Besuch von meinen Eltern hatte, einen Eindruck vermittelt haben, wie das Leben in Deutschland wieder aussehen kann, ist das überhaupt nicht der Fall. Die Reisen durch diverse Hostels, das unter der Smogdecke kochende Beijing, das drückend schwüle Nanjing, das EXPO-fokussierte Shanghai, das derzeit bewölkte Qingdao und das „Präsentieren“ vieler Aspekte Chinas, die ich im letzten Jahr kennengelernt habe, haben mir eher vor Augen geführt, was ich hier zurücklasse: Ein großes Stück Sorgenfreiheit.

Mal abgesehen vom ständigen Visumsstress, gab es keine Probleme, die sich nicht schnell bewältigen ließen. Auch trotz der monatelangen Euro-Krise habe ich in einem sauberen, geräumigen Ein-Zimmer-Appartement in Zentrumsnähe gelebt. Ich konnte durch das Land reisen, ohne dafür innere Organe in Zahlung geben zu müssen. Mein Praktikum war die arbeitliche Umsetzung meiner Hobbys. Ich habe hier in einem Minikosmos gelebt, in dem der größte Einfluss der Weltpolitik im aktuellen Wechselkurs bestand.

Morgen werde ich insgesamt etwas weniger als 20 Stunden in drei Flugzeugen und Flughäfen verbringen. Das sollte mehr als genug Zeit sein, um mich zusammenzureißen, Optimismus zu entwickeln und mich darauf zu freuen, endlich meine Freunde und Familie wiederzusehen. Für den heutigen Abend gestehe ich mir also das Recht zu, melancholisch zu sein.

Egal ob es kindisch ist, darüber Tränen oder große Worte zu vergießen: Ich muss die hübsche Puppe zurückgeben, mit der ich für ein paar Monate spielen durfte, und den abgenutzten Teddy zurücknehmen, der mir von Studium, Sparsamkeit und Zukunftsängsten erzählt. In weniger als 12 Stunden ist es soweit. Egal ob ich will oder nicht.

Irgendwo ganz weit unten im Berg von „Was wird passieren“ und „Wie soll ich das machen“ liegt aber die Hoffnung versteckt, dass ich immer noch gern mit dem Teddy kuschle… Ach sind wir heute mal wieder metaphorisch.