Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Thailand II – Etwas mehr als Salz und Brot
23. April 2013, 08:52
Filed under: Studium und Praktikum

Unglücklicherweise hatte ich das thailändische Neujahrsfest ja nun um einen Tag verpasst. Dessen Zelebrierung besteht scheinbar unter anderem darin, dass sich wildfremde Menschen auf den Straßen mit Wasser und Wasserballons bewerfen. (Und ich war nicht dabei. Wahrhaft tragisch, dass mir die Entscheidung zwischen „Im Zimmer einschließen“ und „In einem Loch eingraben“ erspart blieb.)

Bleiben also zwei Wochen Büroarbeit in einem Industriepark, der zehn Minuten Fußweg von meinem licht- und küchenlosen Appartement/Hotelzimmer entfernt liegt.
Wider Erwarten bestehen diese beiden Wochen aber nicht nur aus zombiehaftem Hin- und Herwandeln zwischen Bett und Büro, ohne dabei zu bemerken, ich welchem Land ich mich befinde oder nicht befinde.

Am Samstag fand im Haus meiner Chefin eine große Feier statt, zu der nach meiner Einschätzung nicht nur jeder Verwandte dritten Grades, sondern auch die ganze Firma eingeladen war. Der Grund, für 50 Leute kostenloses Essen anzubieten (Das war ungelogen das Hauptargument einer Kollegin, warum ich unbedingt kommen sollte.), war aber nicht ganz uneigennütziger Natur:
Anlass der Festlichkeit war eine Haussegnung. Vor einigen Jahren wurde ihr Haus von Regenfällen und Überflutungen stark mitgenommen. Jetzt – nach Abschluss aller Renovierungsarbeiten – will man kein gottgewaltiges Risiko eingehen und die Behausung ordnungsgemäß nach Tradition segnen lassen.

Gut also, dass es hier keinen Mangel an buddhistischen Tempeln und mietbaren Mönchen gibt.

Wohnzimmer leeren, Platz machen für eine Gruppe von Mönchen, die etwa eine Stunde lang singen, beten und Kerzen verbrennen, während Teller um Teller eine stattliche Menge Speisen vor ihnen serviert wird. Das ansehnliche Gästebuffet darf noch nicht angerührt werden, bevor die Mönche satt sind.

Aber nur weil die Herren erst fertigessen müssen, bevor sich das gemeine Fußvolk den Teller füllen darf, sind Vorfreude und Vorbereitung ja nicht verboten. Ich wurde eingeladen, meinen eigenen Papayasalat (Som Tam) zusammenzustellen.

Kaum hatte ich den Holzmörser in der Hand, hatte sich die Traube schaulustiger Gäste in Tischnähe auch schon verdoppelt. Viele nette Thailänder, die alle der Meinung waren, besser zu wissen, wie man ein Salatblatt in die Hand nimmt oder eine Tomate schneidet. Bin überrascht, dass sie mir überhaupt ein Messer in die Hand gegeben haben.

Nach den skeptischen Blicken auf das, was ich da zusammenrührte, waren sie vielleicht einfach der Meinung, dass mein Salat lebensgefährlicher ist als jede Waffe. (Eine Kollegin hat erst mal das Kreuzzeichen vor ihrer Brust gemacht, bevor sie ihre Gabel mit dem Zeug gefüllt hat. ^^)

Und noch der Wortwechsel, den ich an diesem Tag am häufigsten geführt habe:

ICH
(nehme mir Essen)

THAILÄNDER MIT ENTSETZTEM BLICK
Vorsicht, das ist scharf!
O________O

ICH
Super, gefällt mir.

THAILÄNDER MIT BEGEISTERTEM BLICK
Oh! ^________^



P.S.: Sonst ist die Arbeitssituation auch okay – kein Klagelied nötig.

Das Büro ist ähnlich lichtlos wie mein zweiwöchiger Kerker in Mumbai vergangenen Januar, hat aber wenigstens architektonisch weniger Ähnlichkeit mit einem Spießrutenlauf zur Folterbank. Anders formuliert: Die Räume sind etwas größer, die Luft etwas besser, Produktion und Lager sind direkt nebenan, und es gibt (Instant-)Kaffee. Also keinesfalls der Vorhof der Hölle – mir geht’s gut.
Und in drei Tagen bin ich auch schon wieder weg.

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