Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Thailand III – Wenn erste Eindrücke der Wahrheit entsprächen
27. April 2013, 14:11
Filed under: Indien-Impressionen

Nur wenige Argumente bringen mich davon ab, gebetsmühlenhaft zu verkünden, dass Shanghai nicht viel mit dem Rest Chinas gemeinsam hat. Und auch meine Erfahrungen in Mumbai hatten nur eine geringe Auswahl Schnittstellen mit meinen Erfahrungen im Rest Indiens. Daher gibt es vorerst keinen objektiven Grund für mich zu glauben, in Bangkok einen repräsentativen Eindruck von Thailand bekommen zu haben.

Was schade ist. Denn ich möchte gern glauben, dass das ganze Land so ist wie die kurzen Einblicke, die mir seine Hauptstadt in den letzten zwei Wochen geboten hat. Besonders im Vergleich zu Indien.

Das ist (fast) alles, was ich dazu sagen kann. Sauberer, geordneter, freundlicher. Ich weiß, dass ich viel Dreck finde, sobald ich etwas an dieser oberflächlichen Fassade kratze. Aber für den Moment habe ich nicht den Bedarf, diesen positiven Eindruck loszulassen…

Deshalb jetzt – mal wieder bei einer Tasse Kaffee am Flughafen wartend – nur noch einige Gedanken, die ziellos in meinem Kopf schwirren.

  • Noch ein „Land des Lächelns“.

    Die Studentin interkultureller Kommunikation in mir weiß natürlich, dass da ein Löwenanteil indirekte Kommunikation im Spiel ist, und dass ich mir aus jedem zweiten Lächeln nicht viel machen sollte. Aber wenn ich als Deutsche („Direkt, aber wir lassen jedes sein eigenes Süppchen kochen und lassen ihn in Ruhe.“) die Wahl habe zwischen einem lauten, verhältnismäßig direkten Indien und einem leiseren und höflich distanzierterem Thailand… Nein, den Satz muss ich nicht beenden.

  • Garderobenbedarf.

    Dieser Punkt macht mich dann doch froh, für den Augenblick nicht länger hier zu wohnen. Denn das würde fraglos preisintensive Shoppingtouren nach sich ziehen, um den Inhalt meines Kleiderschranks umzuwerfen.

    Nicht etwa, weil qualitativ hochwertige Markenware hier spottbillig ist. (Ist sie nicht.) Sondern einfach, weil ein schlichter 360-Grad-Blick in den Straßen Minderwertigkeitskomplexe verursachen kann. Vom Scheitel bis zur Sohle ist praktisch jede Thailänderin, die mir über den Weg gelaufen ist, elegant und auf den Punkt gekleidet, gestylt und in Szene gesetzt. Noch schlimmer als in China.

    Dass ich ein halbes Jahr in einem Dorf im Wald gelebt habe, hilft dabei nicht. Was in Auroville zweifelsfrei als overdressed galt (Fängt schon mal an bei Jeans. Oder sichtbarem Makeup.), lässt mich in Bangkok aussehen wie frisch aus der Mülltonne gekrochen.

    Und es ist nicht so, dass es den Thailändern nicht auffallen würde. Zitat: „Das macht doch nix, dass du so aussiehst. Wir sehen ja, dass du Ausländerin bist.“ Danke. In deinem Kopf hörte sich das bestimmt freundlich an.

  • Katzenhafter Straßenverkehr.

    Wie auf Samtpfoten reiht sich ein Auto ans nächste, wartet an Ampeln, ordnet sich aus Seitenstraßen in die Hauptstraße ein, überholt und lässt überholen,… Bei meiner ersten und zweiten Fahrt in Bangkoks Straßen hatte ich nur ein unterschwelliges Gefühl in der Magengegend, dass irgendwas… seltsam ist. Irgendwas war nicht normal. Erst später fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen: Niemand hupt. Niemand.

    Ganz zu schweigen davon, dass dort tatsächlich nur drei Spuren gebildet werden, wo drei Spuren vorgesehen sind. Und dass nicht das schnellste, wendigste, größte oder lauteste Auto (je nach Situation) Vorfahrt hat, sondern dass diese Entscheidung von den Straßenschildern geregelt wird.

  • Hier wird das „Eis“ im „Eiskaffee“ ernstgenommen…

    Auch mal eine Erfahrung. Egal ob Cola, Saft, Kaffee oder Kakao: Bevor das Glas nicht randvoll mit Eiswürfeln gepackt wurde, findet kein Getränketropfen seinen Weg ins Gefäß. Was die Trinkerfahrung dann beträchtlich beschleunigt, wenn man keinen völlig verwässerten Kaffee möchte.

So. War’s das jetzt etwa schon? Nicht ganz. Drei Tage lang werfe ich mal einen Blick auf die Südspitze der Halbinsel: Singapur. Der Rückflug nach Thailand schickt mich dann fast direkt an den Strand zum tatsächlichen „Urlaub“. Ob das im Blog breitgetreten wird? Wohl eher nicht. ^^ Bin ja nicht die erste Deutsche, die im Golf von Thailand badet.

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