Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Thailand IV – Singapur (Moment, irgendwas stimmt mit dem Titel nicht…)
3. Mai 2013, 13:30
Filed under: Sightseeing und Reisen

Heute geht der Blogeintrag eher in Richtung „Fotostrecke“ und weniger gen „Kulturstudie“. Wie zu erwarten war, wenn man eben doch mal ausnahmsweise einfach Urlaub an einem Ort macht, anstatt monatelang an ihm zu leben. Neu für mich, aber ich komm schon klar. ^^

Was fällt als erstes auf? Es wird Chinesisch gesprochen! Nicht dass ich viele Konversationen wildfremder Menschen verstanden hätte. Aber allein die Melodie der Sprache und die Schriftzeichen auf allen Schildern machen mich ein klein wenig glücklicher als vor meiner Landung an der Spitze der Halbinsel.

Das trifft übrigens auf ganz Singapur zu, nicht nur auf Chinatown – den Ort, an den es mich trotz gießkannengleichem Regen am ersten Tag verschlagen hat.

Verfolgt mich Indien? Beinah das erste namhafte Gebäude, dem ich in Chinatown über den Weg laufe, ist ein hinduistischer Tempel. -.-

Der Sri-Mariammam-Tempel.
Keine Detailbilder hier. Er ist sehr bunt. Punkt.
Und sonst… eben ein Tempel. Ich bin übersättigt.

An Tag 2/3 ist das Wetter gnädiger – passend, wenn man Fotos der Singapurer Skyline schießen möchte. Und das nicht vom Erdboden aus, sondern aus dem Singapore Flyer: Mit 165 Metern das größte Aussichtsriesenrad der Welt.

Überraschenderweise bin ich in Singapur sehr vielen Australiern begegnet. Wie sich herausstellte, waren fast alle davon in Europa unterwegs und nutzen Singapur als Zwischenstopp auf halber Strecke. Gut zu wissen, wenn ich selbst mal die Südhalbkugel der Erde besuche.

Trotz drückender Hitze kann ich mich zu einem Hafenspaziergang durchringen.

Wenigstens, um ein Foto des Merlion zu schießen. Dieses Halb-Fisch-halb-Löwe-Fabelwesen wird in Reiseführern als „Wahrzeichen Singapurs“ angepriesen…

… Noch nie von dem Ding gehört. Sagt das jetzt mehr über meine oder über Singapurs Ignoranz aus?

Und weil meine China-Sehnsucht geweckt wurde, kann es ja nicht schaden, durch den chinesischen Garten zu schlendern…

Vor allem praktisch, da er auf halber Strecke zum Singapurer Zoo liegt. Dieser ist, laut allen verfügbaren Quellen, einer der besten Zoos der Welt. Ich persönlich habe dort nach Einbruch der Dunkelheit die sogenannte „Nachtsafari“ genossen, bei der nachtaktive Tiere dank Speziallicht bewundert werden dürfen.
Dank Blitzlichtverbot leider keine Fotos hier. Aber ich werde demnächst wohl keinem Nashorn, Tapir, Flusspferd oder gefühlten 50 Antilopenarten wieder so nahe kommen. Tolle Sache!

Oh, Thema Überregulierung. Am Flughafen wurde ich nicht überprüft, ob ich illegaler Weise Kaugummi ins Land geschmuggelt habe. (Hab ich nicht. Hab sie im Flugzeug gelassen.)
Allerdings möchte ich gern dieses Schild teilen, das in jeder Metrostation zu finden ist:

500 Singapur-Dollar sind etwa 300 Euro.

Das Stichwort „Überbevölkerung“ kommt noch in den Sinn. Da ich nie gezwungen war, mit dem Auto unterwegs zu sein, kann ich zum Straßenstau nicht viel sagen. Und Metrozüge aller zwei bis fünf Minuten fangen die Menschenmassen unterirdisch schon ganz gut ein.
„Voll“ ist es zur Rush Hour zwar schon, aber ich bin mit meinem 30-Kilo-Koffer trotzdem problemlos mit der Metro zum Flughafen gekommen. Ja, es ist eng, aber längst kein Qingdao-Bus-„wenn ich tief einatme, breche ich mir eine Rippe und meinen 10 Nebenmännern die Wirbelsäule“-eng. Und das ist für mich der Maßstab.

Zusammenfassung meiner erwähnenswerten Singapur-Eindrücke?
Himmel, würde ich gern in dieser Stadt leben! Sightseeing war schnell abzuhaken. Aber nachdem ich meine studienbedingt angeeigneten Vorurteile jetzt erster Hand abgleichen konnte, hab ich nichts am Stadtbild auszusetzen. Von so sauberen Straßen kann Shanghai träumen, und Berlin erblasst angesichts dieses Metronetzwerks, das mit nur vier Linien (und vielen vielen Bussen) alle wichtigen Punkte der Stadt abdeckt. Und im Gegensatz zu Bangkok läuft keine Frau wie eine Porzellanpuppe herum. Frauensorgen.

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Blinzeln zwischen den Flügen: Kalkutta in drei Minuten
9. April 2013, 16:44
Filed under: Sightseeing und Reisen

Die zweitgrößte Stadt Indiens erschien mir wie ein riesiger, zusammengeworfener Kochtopf an Gebäuden, Menschen und Staub, die alle nahtlos ineinander übergehen. Reiche und arme Ziegelkonstrukte, Baustellen und Parks, Teer und Trampelpfad, alles ein übergangsloses, sich wiederholendes Wirrwarr.
Mein erster und einziger Eindruck Kalkuttas hätte gern Zeit gehabt, in den Straßen noch mehr von seinen Freunden zu finden.

Meine unflexible europäische Zunge weigert sich nicht zum ersten Mal, eine indische Stadt bei ihrem neuen, nicht-kolonialistischen Namen zu nennen. Anders als bei dem ehemals Trivandrum genannten Thiruvananthapuram liegt das allerdings nicht an der Silbenzahl. Im heutigen Beispiel bevorzuge ich den Klang „Kalkutta“, da sich „Kolkata“ wie eine Kreuzung aus Magenkrankheit und Zahnpflegeprodukt anhört.

Einen Absatz habe ich auf diese Nebensächlichkeit nur verschwendet, da es sonst nicht viel von einem halbtägigen Zwischenstopp an der mittleren Ostküste des Landes zu berichten gibt.

Ein architektonischer Zeitzeuge, dass die englische Indienherrschaft tatsächlich in Westbengalen begonnen hat, ist das Victoria Memorial.

Mit hoheitlichen Zitaten und Inschriften, die wieder einmal zeigen, mit wie viel guten Vorsätzen und philanthropischen Idealen man an politische Umstrukturierungen rangehen kann, ohne eine (rückblickend) dunklere Periode des Landes verhindern zu können.
Aber hinterher ist man immer schlauer. Und die britische Verwaltungshoheit führte zum Bau eines der (laut Lonely Planet) schönsten Gebäude Indiens. Kann nicht widersprechen.

Die im letzten Eintrag kurz (und von Laptop-Stationen schwärmend) erwähnte Flugverspätung hat mir schlussendlich exakt die zwei Stunden in Kalkutta geraubt, die ich mir noch zum „Umschauen“ gewünscht hätte.

Jetzt muss ich mich verstört grummelnd damit abfinden, zwar sechs Monate in Auroville gelebt zu haben, aber bei einem Kalkutta-Besuch nicht einmal das Geburtshaus und Meditationszentrum des hier geborenen Sri Aurobindo besucht zu haben. (Und ja, die Erklärung ist tatsächlich so einfach wie sie sich anhört: Auroville wurde nach dem Prediger Revolutionär Sektenführer Guru Sri Aurobindo benannt.)

Es blieb nur noch Zeit zum Schländern im Hof der Nationalbibliothek…

… und zur Rückkehr in eines der schönsten (und teuersten) Hotels, in denen ich je übernachtet habe. Wäre doch schade, die vorerst letzte Touristen-Tour in Indien nicht mit einem Knaller zu beenden.
Unglücklich, dass ich das weichste Bett seit Monaten schon um 4 Uhr morgens verlassen musste, um wieder gen Auroville aufzubrechen…



Delhi-Abschlussnote: Ausreichend.
5. April 2013, 14:09
Filed under: Indien-Impressionen, Sightseeing und Reisen

Wider Erwarten hatte ich nun also das (zunächst) zweifelhafte Glück, die Staatshauptstadt mit etwas genauerem Blick zu beäugen. So detailliert, wie ein eintägiger Aufenthalt es eben zulässt…

Lange Analyse kurz: Der Eindruck, dass die Stadt das Höllenloch ist, das mir von mehr als einer Person beschrieben wurde, will bei mir nicht so richtig aufkommen. Voll, dreckig, teuer, laut. Allerdings nichts, mit dem nicht zu rechnen gewesen wäre. Von den schöneren Ecken ganz zu schweigen.

Ab und an wird Mumbai ja als positives Kontrastbeispiel angebracht. Hm. Mumbai kann man wohl als „geordneter“ bezeichnen – aber ich verwende diesen Begriff im indischen Kontext im weitesten Sinne.

Vielleicht liegt es daran, dass ich vorrangig in Süddelhi unterwegs war. Vielleicht habe ich die schlimmsten Ecken einfach nicht gesehen. Aber ich bin durch Old Delhi gelaufen und bin weit davon entfernt, es als Alptraum der letzten Nächte zu deklarieren.

Ah ja, Old Delhi. Es gibt Orte, an denen ich keine Bedenken habe, meine Kamera aus meiner geöffneten Tasche zu holen. Und es gibt Old Delhi. Ein Ort, an dem freie Fußwege Luxus, Bettler allgegenwärtig und löcherlose Straßen nicht vorhanden sind. Aber keinesfalls das Gruselkabinett der Indientraumata.

Eine der erwähnten schöneren Ecken habe ich dann auch besucht: Lodi Garden. Außer verliebten Pärchen gibt es dort noch diverse Architekturdenkmäler der Lodi Dynastie des 15. Jahrhhunderts. Taktvollerweise habe ich mich darauf beschränkt, letztere zu fotographieren.

Und ganz getreu der Gedankenlinie „Ich hasse es, aber wenn ich es lange (wie in Auroville) nicht mehr habe, vermisse ich es“: Ich war shoppen. Na und?

Im Riksha- und Metroverkehr verging der Tag erwartungsgemäß schnell. Es war nicht Varanasi, aber es war wenigstens auch nicht Auroville. Welch nichtssagender Satz.

Letztlich noch zum Ort, an dem ich diese Zeilen tippe: Indira Gandhi Airport, wartend auf den Flug nach Kolkata. Wie ist der Flughafen so?
Anscheinend beeindruckend genug, um darin drei Blogabsätze zu investieren… Der schönste Anblick überhaupt:

Gute Güte! Direkt nach der „Ich bin mir nicht sicher, ob dein Vorhängeschloss und -schlüssel ein Sicherheitsrisiko darstellen“-Sicherheitskontrolle und diversen „Anstellen? Die Schlange beginnt dort, wo ich stehe“-Indern könnte für mich eine mit Steckdosen ausgestattete Laptop-Station auch genauso gut eine Massageliege sein!

Kein Kaffee oder Frühstück der Welt kann entspannt vier Stunden Wartezeit überbrücken, die jetzt dank zweistündiger Flugverspätung auf mich zukommen. Aber egal – dass ich gerade auf hohem Niveau jammere, habe ich hoffentlich klargemacht.



Das einzige Fotomotiv, das indischer ist als eine Kuh
4. April 2013, 16:21
Filed under: Sightseeing und Reisen

Wenn ich schon mal fünf Uhr morgens für eine Sehenswürdigkeit aufstehe, dann erwarte ich einen der atemberaubendsten Anblicke diesseits der Milchstraße. Ich wurde nicht enttäuscht: Ja, das Taj Mahal ist tatsächlich so schön wie auf Bildern.

Zwar habe ich bisher weder Eiffelturm, noch Freiheitsstatue, noch Sidneyer Opernhaus gesehen, kann aber nach dem Taj-Mahal-Besuch behaupten, wenigstens eines der fraglos berühmtesten Gebäude dieses Erdballs gesehen zu haben. (Man bemerke, wie ich die Große Mauer spontan mal nicht als Gebäude definiere.)

Erklärlicherweise fühlt es sich auch grenzenlos hirnrissig an, jetzt Fotos eines Monuments einzufügen, von dem jeder ohne große Gehirnanspannung weiß, wie es aussieht. Wie auch immer – Beweisfoto, dass das Taj Mahal am 03. April 2013 bei Sonnenaufgang noch stand:

Und noch das obligatorische Durch-den-Torbogen-Bild…

Die vierstünde Zugfahrt von Delhi nach Agra war für diesen Anblick jeden Kilometer wert. Nicht einmal das moskitoinfizierte, von hyperaktiven Indern besuchte und mich durch ohrenbetäubende Ventilatoren vom Schlaf abhaltende Hostel konnte mich davon abbringen, mich fassunglos davon zu überzeugen, dass das berühmteste Grabmal der Welt life in der Tat so glänzt wie auf Bild und Video. Und das ohne Photoshop.

Nur zwei Kilometer entfernt liegt das Agra Fort, die Festung, von der aus vier Mogulherrscher ihr Reich verwaltet haben, und in dem der Erbauer des Taj Mahal in seinen letzten Lebensjahren gefangen war.

Zeitgleich romantisch und sadistisch, dass er von jedem Fenster seines Luxus-Gefängnisses das Grabmal seiner Liebsten (dritten Frau) sehen konnte, in das er den halben Staatshaushalt investiert hatte.

Weniger beeindruckend war dann die zweite Tageshälfte in Agra, die ich im Wesentlichen mit der Entscheidung über meinen weiteren Reiseverlauf verbrachte. Zwischenzeitlich brachten sich auch noch ein Reisebüro und ein Rikshafahrer in die Entscheidungsfindung mit ein. Mit der traurigen Erkenntnis, dass auch Nummer 7 auf der Warteliste ein unwahrscheinlicher Platz ist, noch ein Bett im Zug von Agra nach Varanasi zu bekommen, fand ich mich letztendlich ab.

Blieb also nur noch: Umdisponieren! Busticket für die Rückfahrt nach Delhi gekauft, und viel zu viel Geld für ein Flugticket von Delhi nach Kolkata über den Tresen wandern lassen. (Welches ich aber nicht nutzen werde, ohne vorher wenigstens noch Sightseeing in Delhi betrieben zu haben.) Da Kolkata ohnehin der letzte Reisestopp gewesen wäre, ist es nur die älteste Stadt Indiens (Varanasi), die wohl noch etwas auf mich warten muss. (Wenn/Falls ich noch einmal durch dieses Land reise.)

Übrig blieb noch eine Stunde zwischen „Schei* auf die Warteliste, ich fahr zurück nach Delhi“ und „Bitte lass den gebuchten Bus auch wirklich nach Delhi fahren“. Das geplante Ziel war in weniger als 15 Minuten abzulaufen: Ein kleines Mausoleum, das im Allgemeinen „Baby-Taj“ genannt wird. Ich frag mich, wieso…

Was dann übrigens schon die zweite Taj-Mahal-Kopie wäre, die ich in Indien gesehen habe.

Die Chinesen hätten’s wahrscheinlich authentischer kopiert. (Dass das Ding dann wahrscheinlich schon eingestürzt wäre, ist nur marginal relevant.)

Je mehr Gedanken ich an die Busfahrt gen Norden verschwende, umso näher rücke ich meinen Kopfschmerzen. 35°C sind keine Temperatur, bei der man mit einer anderthalben Stunde Verspätung aus einer luftverschmutzten Großstadt flüchten möchte. Kurioserweise auf dem Weg in eine der versmogtesten Städte der Welt.

Dem indischen Pantheon sei Dank, wartete in Delhi wieder die Couch drei (nicht zwei, wie im letzten Eindruck falscherweise behauptet) lieber Mitstipiendiatinnen auf mich.

Und das alles an einem Tag.



Abbrechende Zelte
1. April 2013, 15:12
Filed under: Sightseeing und Reisen, Studium und Praktikum, Vorbereitungen

Obwohl meine unvermeidliche Heimkehr noch über einen Monat entfernt ist, habe ich in den vergangenen Wochen mehr Flug- und Bahntickets gebucht als in den vergangenen zwei Jahren zusammen. Und das werden noch nicht mal die letzten gewesen sein…

Eines der guten Stücke ist heute bereits zum Einsatz gekommen. Landung: New Delhi. Da ich Indien bereits am 15. April nur noch von hinten sehen werde, entsteht in meiner mittleren Magengegend das ununterdrückbare Gefühl, nach einer Reise um den halben Erdball wenigstens das Taj Mahal gesehen haben zu müssen. Welches, von Tamil Nadu aus gesehen, nicht wirklich nebenan liegt.
Von Delhi aus, im Gegensatz dazu, liegt es praktisch „kurz die Straße runter und dann rechts“. Auch das bedeutet zwar drei Stunden Zugfahrt, kann aber das das indische Äquivalent von „nebenan“ betrachtet werden.

Nachdem ich die kommende Nacht tollerweise bei zwei lieben Mitstipendiatinnen in Delhi verbringen darf, folge ich morgen hoffentlich den Eisenbahnlinien nach Agra.

Meine Reisepläne für den Rest der Woche werden sich wartelistenbedingt leider erst spontan ergeben. Was das Wichtigste ist: Danach folgt noch eine Woche Arbeit in Auroville, gefolgt von Arbeit – nicht Urlaub – in Thailand!

Aufmerksame Leser erinnern sich eventuell dunkel an meinen Mumbaiaufenthalt am Jahresanfang. Als mein Praktikumsunternehmen im Anschluss daran der Meinung war, dass ich das gleiche, was ich in Mumbai gemacht habe, doch durchaus auch am Standort Bangkok durchziehen könnte…
Nun ja, lasst mich ehrlich sein: Ich hab ihnen das gebuchte Flugticket schneller unter die Nase gelegt als der Drucker Tinte ausspucken konnte.

Und man könnte es ja schon als Länderverschwendung bezeichnen, wenn ich Thailand im Mai nicht noch zu Urlaubszwecken missbrauchen würde…

Inhaltlich steht dieser Urlaub noch in den südostasiatischen Sternen. Im Kalender und Flugplan festgepinnt ist im Gegensatz der Tag, an dem ich wohl zum ersten Mal seit Monaten wieder anständiges Bier, Salami und die arme lieber Leute wiederfinden werde: 10. Mai 2013.



Neuer Haken auf der Tempel-Checkliste
28. Februar 2013, 18:22
Filed under: Sightseeing und Reisen

Tiruvannamalai, drei holprige Busstunden von Auroville entfernt, hat mit einem von Höhlen und Ashrams übersähten Berg eigentlich noch mehr zu bieten als einen Tempel. Aber leider hatten Hitze und Gesundheit dann doch stärkere Argumente als der persönliche Sightseeing-Zwang.
Zwei Wochen nach der Berg-Tour/-tortur habe ich mich wieder aus meinem Nest im Wald gewagt, um den angeblich zweitschönsten Tempel Tamil Nadus zu besuchen: Den Arunachaleshwar-Tempel.

Im Vergleich zu Chidambaram sind die vier Tore des rechteckigen Tempelgebiets nicht nur merklich höher, sondern… weiß. Kein Tropfen bunte Farbe findet sich auf den steinernen Türmen. Als hätte jemand einen üblichen Hindu-Tempel genommen und ihn kopfüber in einen Eimer Deckweiß getaucht.

Falls es in diesem Tempelgelände ein Fotoverbot gab, dann hatte die Durchsetzung und Überwachung mehr Lücken als ein Tempelelefant Borsten am Rüssel hat.

Zu Anschauungszwecken: Ein Tempelelefant.

Zwar war die Anzahl an Besuchern, die tatsächlich zu Anbetungszwecken einen oder mehrere der dutzend Schreine im Gelände besuchen, nicht unbeachtlich, aber sie verblasst im Vergleich zu den Indern von nah und fern, deren Gesicht in neun von zehn Fällen von einer hochgehaltenen Handykamera verdeckt wurde.

Schon nach wenigen Metern war der doppelt positive Effekt dessen zu erkennen: Zum einen stach ich nicht mehr in meiner Identität als westliche Touristin heraus (sondern nur noch in meiner Identität als Westlerin…), und zum anderen konnte ich endlich Bilder der wunderschönen Deckenbemalungen machen, an deren fotographischer Verewigung ich letztes Jahr in Chidambaram leider gehindert wurde!

Anbetungsgegenstand: Shiva.
Deckebemalung: Szenen aus seinen Legenden.

Wäre schön, wenn es mehr zu erzählen gäbe.
Es war schon mal nicht hilfreich, dass das online gebuchte Hotel beim Einchecken nichts von meiner Reservierung wissen wollte. Zwar hat sich nach einer halben Stunde noch ein Bett finden lassen, aber schon gegen Mittag haben mich ungute Gefühle in der groben Magengegend dann doch dazu überredet, einfach wieder in den nächsten Bus zu steigen.

P.S.: Das erwähnte Unwohlsein hat sich dann im Laufe des Sonntags und Montags manifestiert… Leider war keine der Bananen, Brotscheiben und Elektrolytlösungen derartig lecker, dass sie es wert gewesen wäre, sie zweimal zu essen. Dennoch hat mein Magen ziemlich genau 24 Stunden lang versucht, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich würde ja sagen: „Was für ein Arsch“, aber der kann nun wirklich nichts dafür.



Wir sind Wolkenkratzer
12. Februar 2013, 14:54
Filed under: Sightseeing und Reisen

In meinen Synapsen findet sich keine bewusste Erinnerung mehr an einen Wanderurlaub, der in mir grenzenlosen Enthusiasmus entfacht hätte. Und daran hat das vergangene Wochenende nichts geändert.
Der kleine indische Urlaubsort Kodaikanal befindet sich etwa sieben Busstunden von Auroville entfernt in den Bergen. Er lockt Touristen mit dicht bewachsenen Wanderwegen, Berggipfeln und diversen Trekking-Routen an – und stand aus selbigen Gründen nie auf der Liste geplanter Reiseziele.

Durch die Nacht

Wie es der Zufall aber so wollte, erfuhr ich von einer Volunteer-Gruppe, die eigens einen Minibus inklusive Fahrer gebucht hatten, um das Wochenende in den Bergen zu verbringen – und noch Sitze zu vergeben hatten.
Kurz gesagt: Der Zwang zur Sozialisation (mit echten Menschen und so…) übertrumpfte die Abneigung gegenüber 2000-Meter-hohen Erdunebenheiten…

Bevor mir also in Auroville früher oder später die Walddecke auf den Kopf fällt, packe ich lieber den Rucksack und springe in den Minibus… für sieben halb-bequeme Schlafstunden, bis wir am frühen Samstagmorgen das Ziel erreichten.

Zwischen fremden Sprachen

Wie sich herausstellte, haben Langzeitaufenthalte in Ländern, deren Sprachen – aktuell überwiegend Tamil – ich nicht beherrsche, mehr Nebeneffekte als ich dachte. Sie erhöhen zum Beispiel meine Frustrationstolerenz, wenn ich Teil einer Gruppe von neun Volunteers bin, von denen sieben fließend Französisch sprechen.
Neben einer netten Kolumbianerin war ich die einzige, die oft darauf hoffte, dass sich die Franzosen, Belgier und Schweizer gelegentlich daran erinnern, dass Englisch auch eine Kommunikationsoption darstellt…

Doch wie gesagt: Es störte mich weniger als vermutet.
Lag das möglicherweise an der Zen-Schule des ersten indischen Zen-Meisters, die wir am Samstagmorgen besichtigten?

Über den Wolken

Wie auch immer. Während ich also vor einem Monat die Western Ghats aus Richtung Westen (Munnar) bewundert habe, ermöglichte sich nun also eine Detailbetrachtung von entgegengesetzter Seite aus.

Mich an diesem Wochenende als „Wolkenkratzerin“ zu bezeichnen, ist überraschend wörtlich zu nehmen – mal mehr, mal weniger:

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Im Übrigen ist das keine Aussicht, für die wir stundenlang Felswände erklimmen mussten. Dieser Anblick eröffnete sich direkt vor unserem Hostel.

Null Grad Celsius Außentemperatur, dünne Decken und Warmwasser nur von 7-10 Uhr morgens gestalteten die einzige Übernachtung in Kodaikanal nur unwesentlich bequemer als die vorangegangene Nacht im Minibus.
Wie sich herausstellen sollte, sind drei Stunden Schlaf aber immer noch ausreichend, um fünf Stunden lang über Stock und Stein zu wandern.

Unterm Himmel

Und genau dieses Vorhaben nahmen wir, unter Führung eines indischen Guides, am frühen Sonntagmorgen in Angriff.
Die Stunden, die mich an Bergwänden und –wäldern entlang über Wurzeln und Felsen führten, spielten sich ziemlich exakt so ab, wie ich erwartet hatte…

Tränengleiche Schweißtropfen und stöhnende Oberschenkel erinnerten mich minütlich daran, wie phänomenal außer Form ich bin und warum ich persönlich nicht vorhatte, während meines Indienaufenthalts nach Kodaikanal zu fahren. Aber sei’s drum – Springen von den Klippen war keine Option, um der Bergwanderung zu entkommen. Und da es zu nahezu jedem Zeitpunkt nur einen einzigen Weg gab, den man hätte betreten können, hat mich auch gelegentliches Hinterherschleichen nicht von der Gruppe getrennt. (Nicht zu vergessen: Die kolumbianischen und französischen Weggefährt/innen, die ein Auge für mich übrig hatten. ^^)

Und für die Landschaft hat es sich die Qual natürlich wie üblich gelohnt.
Plus: Im drastischen Gegensatz zu chinesischen „Wanderwegen“ bin ich in Kodaikanal keiner einzigen Treppenstufe begegnet!

Im Ausklang

Gen Sonntagabend galt es dann lediglich noch, ein paar Stunden bis zur nächtlichen Rückfahrt nach Auroville zu überbrücken. Während unserer (letztlich erfolg- reichen) Suche nach einem Pub mit Sitzmöglichkeit begeg- neten wir auch einem lautstarken Fest- umzug zu Ehren Sankt Michaels.


Zum Abschluss also noch ein Bild für alle, die immer noch fälschlicherweise glauben, dass 24 Millionen Inder weniger „indisch“ werden, nur weil sie christlich sind. ^^