Zu Besuch im Land der Tausend Farben


Abbrechende Zelte
1. April 2013, 15:12
Filed under: Sightseeing und Reisen, Studium und Praktikum, Vorbereitungen

Obwohl meine unvermeidliche Heimkehr noch über einen Monat entfernt ist, habe ich in den vergangenen Wochen mehr Flug- und Bahntickets gebucht als in den vergangenen zwei Jahren zusammen. Und das werden noch nicht mal die letzten gewesen sein…

Eines der guten Stücke ist heute bereits zum Einsatz gekommen. Landung: New Delhi. Da ich Indien bereits am 15. April nur noch von hinten sehen werde, entsteht in meiner mittleren Magengegend das ununterdrückbare Gefühl, nach einer Reise um den halben Erdball wenigstens das Taj Mahal gesehen haben zu müssen. Welches, von Tamil Nadu aus gesehen, nicht wirklich nebenan liegt.
Von Delhi aus, im Gegensatz dazu, liegt es praktisch „kurz die Straße runter und dann rechts“. Auch das bedeutet zwar drei Stunden Zugfahrt, kann aber das das indische Äquivalent von „nebenan“ betrachtet werden.

Nachdem ich die kommende Nacht tollerweise bei zwei lieben Mitstipendiatinnen in Delhi verbringen darf, folge ich morgen hoffentlich den Eisenbahnlinien nach Agra.

Meine Reisepläne für den Rest der Woche werden sich wartelistenbedingt leider erst spontan ergeben. Was das Wichtigste ist: Danach folgt noch eine Woche Arbeit in Auroville, gefolgt von Arbeit – nicht Urlaub – in Thailand!

Aufmerksame Leser erinnern sich eventuell dunkel an meinen Mumbaiaufenthalt am Jahresanfang. Als mein Praktikumsunternehmen im Anschluss daran der Meinung war, dass ich das gleiche, was ich in Mumbai gemacht habe, doch durchaus auch am Standort Bangkok durchziehen könnte…
Nun ja, lasst mich ehrlich sein: Ich hab ihnen das gebuchte Flugticket schneller unter die Nase gelegt als der Drucker Tinte ausspucken konnte.

Und man könnte es ja schon als Länderverschwendung bezeichnen, wenn ich Thailand im Mai nicht noch zu Urlaubszwecken missbrauchen würde…

Inhaltlich steht dieser Urlaub noch in den südostasiatischen Sternen. Im Kalender und Flugplan festgepinnt ist im Gegensatz der Tag, an dem ich wohl zum ersten Mal seit Monaten wieder anständiges Bier, Salami und die arme lieber Leute wiederfinden werde: 10. Mai 2013.

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… und jetzt sind wir hier.
2. September 2012, 12:34
Filed under: Babys erste Schritte, Vorbereitungen

Der Monsun klatscht auf die zu etwa 50 Prozent geteerten Straßen vorm Haus und auf der Taxifahrt vom Flughafen hierher machte mein Herz mehrfach kleine Sprünge. Nicht aus Panik, sondern weil ich mich wie ein kleines Kind freudig an China erinnert fühle: Auch in Indien scheint eine laute Hupe jedes Vorfahrtsgebot außer Kraft zu setzen. Ich fühl mich wie zu Hause!

Wer sich von Absätzen mit mehr als drei Zeilen beängstigt fühlt: Sicher gelandet.

Mehrfach. Ich sitze in meinem Zimmer in Pune und bin vorsichtig optimistisch, dank meines ohnehin auch in Deutschland verbesserungswürdigen Schlafrhythmus‘ dem Jetleg in Indien zu entgehen.
Aber keine Angst – die nächsten Absätze befassen sich zwar mit meinem Weg zu diesem Status Quo, allerdings eher in Bezug auf die vergangenen Monate.

Zunächst detailliere ich also nicht den Ablauf von Start, Landung und Bordmahlzeit der erfolgreich absolvierten Flüge. Stattdessen allerdings…

… die Flüge, die nicht stattgefunden haben…

Der ursprüngliche Schlachtplan bestand darin, in der Nacht des 01. Septembers (Samstag) nach Leipzig zu fahren, um 6 Uhr morgens halbtot ein Flugzeug zu betreten und ca. 7 Uhr etwas weniger tot in Frankfurt anzukommen. Von dort startet(e) der Langstreckenflug nach Mumbai sowie die erste Bekanntschaft mit anderen Stipendiatinnen.

Den kleinen Makel in der Geschichte haben einige vielleicht schon bemerkt: Der Transport Leipzig-Frankfurt wäre ein Lufthansa-Flug gewesen. Und exakt deren Mitarbeiter kamen im Laufe der Woche korrekterweise zu dem Schluss: Egal wann sie streiken, irgendjemand ist immer stinksauer, wodurch die Mission als erfüllt betrachtet werden kann. Warum sollte also nicht ich die Glückliche sein?

Kurzerhand wurde der Flug storniert und mit der Unterstützung der besten Eltern, die ich mir wünschen kann, ein Flughafenhotel in Frankfurt gebucht. Einige Stunden verbrachten wir am Freitag, 31. August, dementsprechend auf deutschen Autobahnen und an die Lufthansa wurde kein Gedanke mehr verschwendet.

Sechs Monate vorher…

… habe ich meine Bewerbungsunterlagen für den DAAD gesammelt.

Als ich diese Monatszahl gerade am Kalender nachvollzogen hab, wäre ich fast vom Stuhl gefallen. Tja.

Zu diesem Abschnitt sei nur gesagt, dass Ende Februar ein diabolischer Einsendeschluss für Bewerbungsunterlagen ist. Fast jeder Professor, der relevante Zeugnisse und Empfehlungsschreiben ausstellen könnte, ist entweder nicht vor Ort oder zu gestresst, um selbst ein ehrliches Urteil in Worte zu fassen. Letztendlich führte das dazu, dass ich mein englisches Sprachzeugnis nicht in Konstanz, sondern bei meiner Bachelorzeiten-Hochschule in Zwickau abgeholt habe. Stress.

Übrigens: Das „Sprachzeugnis“ besteht aus einem Vordruck, auf dem vier Kreuze gesetzt werden müssen. Die Relevanz dieses Stück toten Baums für die Entscheidung über die Stipendienvergabe möchte ich vorsichtig anzweifeln.

Während das nur Zeit kostete…

… kostete der nächste Schritt Benzin.

Das Auswahlgespräch beim DAAD in Bonn. Dass eine Organisation mich gern persönlich kennenlernen möchte, bevor sie darüber entscheidet, mir monatelang ohne unmittelbare Gegenleistung Geld aufs Konto zu überweisen, sehe ich ein.

Aber die Ironie, Studenten fast 100 € oder mehr in ein Gespräch investieren zu lassen, welches sie nur führen, weil sie (meist) über keine eigenen Mittel zum Auslandsaufenthalt verfügen… lässt sich nicht komplett ignorieren.

Ganz zu schweigen davon, dass ich an besagtem Tag 2x fünf Stunden Wettrennen mit Lastwagen und Gülletransportern gefahren bin, um Mittelpunkt eines gerade mal 20minütigen Verhörs zu sein.

Theoretisch bin ich auch rückblickend betrachtet noch davon überzeugt, bei diesem Gespräch in den Punkten Selbstvermarktung und Selbstbewusstsein vollkommen versagt zu haben.

Praktisch sitze ich allerdings gerade in Pune. Hm.

… und jetzt sind wir hier.



Neues Kapitel – Nicht Chinesisch, sondern Hindi
29. August 2012, 20:10
Filed under: Vorbereitungen

Da starrt er mich wieder an. Der Reisekoffer reißt sein gieriges Maul auf und verlangt nach Futter. Futter in Form von allem, was mir einige Monate lang in Indien von Nutzen sein könnte.
Vor etwa drei Jahren habe ich diesen Blog anlässlich meines einjährigen Chinaaufenthalts erstellt und vor etwa zwei Jahren, am Vorabend meiner Abreise aus dem Land des Lächelns, der scharfen Nudelsuppen und der wachsenden Wolkenkratzer, entstand der bis auf Weiteres letzte Eintrag.
Jetzt soll er wiederbelebt werden.

Die Mission

Acht Monate Indien – September 2012 bis April 2013.
Mal schauen, wie wir diese Mission bewältigen.

Allein ob sie mich ins Land lassen, ist trotz des gültigen Visums eine ganz andere Frage. So wie ich die Lage einschätze, werden der Registrierungsprozess und die Bürokratie im Allgemeinen noch so einige Nerven verschlingen und für Blogeinträge sorgen. Die eiskalte Klaue des Visums im Nacken kenne ich zwar noch aus China, aber ich bin „gespannt“, die indische Seite der Dinge kennenzulernen.

Der Blog

Dass ich es vor drei Jahren geschafft habe, regelmäßig für nicht gähnend langweiligen Inhalt zu sorgen, bestätigt mich in der Hoffnung, auch diesmal genügend Material lesbar verpacken zu können.

Die Umstände

Für die Reise und die kommenden Vorbereitungskurse kann ich mich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) bedanken, der der Meinung war, ein Stipendium würde mir ganz gut stehen.
Eingeschrieben bin allerdings tatsächlich noch als Masterstudentin in Konstanz – so ganz bin ich also noch nicht in die „reale Welt“ geflohen. ^^

Der Plan

1. September und Oktober Vorbereitungskurse an der Symbiosis University in Pune (Westindien, Maharashtra) besuchen.
2. November bis April Praktikum in Auroville (Südindien, Tamil Nadu) absolvieren.
3. Im Mai oder Juni heil wieder in Deutschland ankommen.
(4. Profit ???)

Der Grund: Warum Indien?

Warum nicht?

Die Vorbereitungsprobleme

Dazu mehr beim nächsten Mal. (Tipp: Der Eintrag wird länger als dieser.)



Tschüß
25. August 2009, 07:13
Filed under: Vorbereitungen

In etwas weniger als einer Stunde geht es los nach Leipzig. 14:25 Uhr soll der Flug nach Frankfurt starten. 18:30 Uhr geht es dann hoffentlich weiter nach Nanjing. Aber draußen regnet es immer noch keine Frösche oder Heuschrecken, von daher ist in meinem Inneren immer noch ein ganz normaler Tag. Vielleicht ändert sich das auf dem Flughafen.

再见,德国。 –  Auf Wiedersehen, Deutschland.



Abschiede
23. August 2009, 11:05
Filed under: Vorbereitungen

Das Ende des Anfangs kommt näher und ich hab keine Ahnung, was ich davon halten soll. Fest steht, dass der Flug um die geplante Uhrzeit startet, dass mein Zimmer so staubfrei ist wie schon lange nicht mehr und dass ich immer noch nicht das Gefühl habe, in 72 Stunden in China zu sein. Ist doch momentan eigentlich alles ganz normal… Bis auf die kleinen und großen Abschiede in den letzten Tagen.

Abschied von meiner To-Do-Liste. – Da „Koffer packen“ irgendwie zu selbstverständlich ist, um auf einer Liste zu landen, kann ich behaupten, die Liste abgearbeitet zu haben. Ein Hostel in Nanjing haben bereits einige Kommilitonen gebucht, sodass wir wenigstens eine Adresse haben, die wir dem Taxifahrer zeigen können, bevor wir zur Uni selbst tappen und dem Auslandsamt mitteilen, dass wir… da sind. Alles Weitere werden wir sehen, wenn es soweit ist.

Abschied von meinem Auto. – Mehr gibt’s hier nicht zu sagen. Nachdem mir der kleine graue Knubbel fast zwei Jahre lang gute Dienste geleistet hat (die einmal versagenden Bremsen verzeih ich ihm), würd ich einem 15jährigen Auto keinen Gefallen tun, wenn es ein Jahr rumstehen müsste. Jetzt kurvt der Kleine in einer Nachbarstadt durch die Gegend. ^^ Gut zu wissen.

MesserGabel

Abschied von Zwickau. – War sehr hilfreich bei meinen letzten Besorgungen. Hey, Einkaufen kann man dort. Ist zwar so ziemlich das einzige, aber immerhin. Das Stadtfest gestern Abend bestand zu 90 Prozent aus Fressbuden, aber durchschlendern konnte man schon.

Das Beste zuletzt: Die kleine Abschiedsfeier mit meinen Freundinnen. ♥ Keine vielen Worte nötig: Vielen vielen Dank, dass ihr gekommen seid, danke für die lieben Wünsche. War ein schöner Nachmittag. Hab mich auch sehr über die kleinen Geschenke gefreut!



Der Berg wird kleiner
8. August 2009, 11:36
Filed under: Vorbereitungen

In der letzten Woche wurde ein großer Brocken des „Ich hab noch viel zu tun“-Berges abgetragen. Praktisch wären dafür auch einzelne Blogeinträge möglich gewesen, aber dann stellt sich die Frage: Warum? Also hier die Zusammenfassung der abgehakten Punkte meiner To-Do-Liste.

Montag

  • 20 Passbilder machen lassen. Selbst die Uni will direkt zur Einschreibung acht Stück davon und auch sonst werden wir am Anfang wohl einige davon brauchen.
  • Im Schreibwarenladen 2 Kopien jedes (?) potenziell wichtigen Dokuments machen. (Paranoia…) Bei dieser Gelegenheit hab ich mich auch gleich noch mit ein paar neuen Ordnern, Blöcken und Stiften versorgt.
  • Über 30 Umwege und Trampelpfade (Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt) zum Arzt fahren, um mir das Ergebnis des HIV-Tests ausdrucken zu lassen. Ursprünglich war nur geplant, nen Termin für die letzten ausstehenden Impfungen zu machen, aber stattdessen haben sie mir die beiden Spritzen sofort verpasst. Überraschend, aber wahr: Mit dem Arzt-Kram bin ich tatsächlich fertig, es steht nichts mehr aus. o_O Das kam unerwartet.

Dienstag

  • Nach Berlin fahren, Visum beantragen. Theoretisch wäre es auch per Post über eine Agentur möglich gewesen. Aber bei so einem tollen Vater, der sofort anstandslos sagt, dass er mich nach Berlin fährt, hol ich mir das Papier noch persönlich und am gleichen Tag. (Wer in den Satz Ironie reininterpretiert, ist selbst Schuld.) Um 6 losfahren, kurz vor 9 ankommen, kurz nach 9 vorm Konsulat stehen, halb 10 wieder rausgehen, um 11 Expressvisum abholen. Wieder nach Hause fahren. Juhu. ^^

Mittwoch

  • Endlich (!) alle Briefe durchlesen, die ich bzgl. des neuen Kontos bekommen hab, und verzweifelt versuchen, mir zig neue Zahlenkombinationen zu merken…
  • Ab Mittag dann Einkaufen. Reiseapotheke, Schuhe, Reisetasche, Rucksack mit Laptopfach, noch ein paar Drogerieartikel. Ich würd’s als Erfolg bezeichnen.

Donnerstag

  • Zur Stadtverwaltung fahren, um neuen Personalausweis abzuholen.
  • Geld vom alten aufs neue Konto überweisen.

Freitag

  • Alle wichtigen Dateien von meinem PC auf meinen Laptop übertragen.
  • Anfangen/weitermachen, die Texte für ein noch ausstehendes Gruppenprojekt zu schreiben bzw. zusammenzufügen. Hoffentlich bin ich damit bis Ende nächster Woche fertig.


Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht…
25. Juli 2009, 10:17
Filed under: Vorbereitungen

Weil wir ja optimistische Menschen sein sollten, kommt die schlechte Nachricht zuerst.

Die schlechte Nachricht
Der DAAD hat mich anscheinend immer noch nicht in irgendeinem seiner obskuren E-Mail-Verteiler eingetragen. Das ist vor einigen Wochen/Monaten schon mal passiert. So erfahre ich also gestern über zwei Ecken, dass die Bewerber fürs Selbstzahlerprogramm eine Mail vom DAAD bekommen haben, laut der das CSC (Chinese Scholarship Council) die Bewerbungen durchgegangen und die Bewerber den Unis zugeteilt hat. Problem: Mein Postfach blieb davon jungfräulich unberührt – mal wieder keine Mail vom DAAD an mich. Und das heißt: Am Montag wieder eine Mail von mir an Frau B., die dort für uns Selbstzahler-Bewerber verantwortlich ist. Irgendwas läuft da ja nicht ganz rund und das wird sicher nicht ihre letzte Rundmail an uns gewesen sein.

∞ Nach einem kurzen Telefonat heute Morgen war eine liebe Kommilitonin so nett, mir die Mail weiterzuleiten. Was mich zum zweiten Punkt des Eintrags bringt. ∞

Die gute Nachricht
♥ ♥ ♥ Ich – darf – an – die – Nanjing – University! ♥ ♥ ♥